Eigentlich wollte ich hier einen hoffnungsschwangeren Sermon von den hellen Horizonten des kommenden Jahres kredenzen, angeleuchtet von dem kraftvollen Intellekt unserer politischen und gesellschaftlichen Elite, deren kühne und gradlinige Entschlossenheit, auf dem festen Grund erhabener Werte und Moral unserer westlichen Kultur und dem milden Blick für die Nöte und Befindlichkeiten uns wohlgeleiteter …
Abe ich musste dieses hehre Vorhaben fallenlassen. Leider. Die gelobten- Die hätten so lange Sätze nicht verstanden.
So habe ich mich entschlossen in einem kühnen Versuch, meine Erwartungen für das Jahr 2012, als Extrapolation der empirischen Zusammenfassung des vergangenen Jahres, in wenigen Sätzen zusammen zu fassen. Und nach unzähligen Satzversuchen, in denen auch Interpunktion vor kam, was bezeugen möge, dass ich bis an meine Grenzen ging, bin ich jäh gescheitert. Nicht dass ich nicht ganze Abschnitte gefüllt hätte. Nein. Es waren mindestens zwei. Das Problem: ich war um konstruktive Diskussion bemüht und spätestens nach dem zweiten Absatz hatte jeweils keine Ahnung mehr hatte, was ich mir bei den beiden vorherigen gedacht hatte-
Eine überaus glückliche Fügung klingelte mit der Narrenschelle an meinen fast schon tauben Ohren ein Gedicht ins Gedächtnis zurück, das all das, was ich vom kommenden Jahr erwarte in kraftvollen Allegorien zusammen fasst – leider ist mir sein Schöpfer unbekannt:
Dunkel war’s,
der Mond schien helle,
schneebedeckt die grüne Flur,
als ein Auto blitzesschnelle
langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute
schweigend ins Gespräch vertieft
als ein totgeschossner Hase
auf der Sandbank Schlittschuh lief.
Und der Wagen fuhr im Trabe
rückwärts einen Berg hinauf.
Droben zog ein alter Rabe
grade eine Turmuhr auf.
Ringsumher herrscht tiefes Schweigen
und mit fürchterlichem Krach
spielen in des Grases Zweigen
zwei Kamele lautlos Schach.
Und auf einer roten Bank,
die blau angestrichen war
saß ein blondgelockter Jüngling
mit kohlrabenschwarzem Haar.
Neben ihm ne alte Schrulle,
die kaum siebzehn Jahr alt war,
in der Hand ne Butterstulle,
die mit Schmalz bestrichen war.
Oben auf dem Apfelbaume,
der sehr süße Birnen trug,
hing des Frühlings letzte Pflaume
und an Nüssen noch genug.
Von der regennassen Straße
wirbelte der Staub empor.
Und ein Junge bei der Hitze
mächtig an den Ohren fror.
Beide Hände in den Taschen
hielt er sich die Augen zu.
Denn er konnte nicht ertragen,
wie nach Veilchen roch die Kuh.
Und zwei Fische liefen munter
durch das blaue Kornfeld hin.
Endlich ging die Sonne unter
und der graue Tag erschien.
Holder Engel, süßer Bengel,
furchtbar liebes Trampeltier.
Du hast Augen wie Sardellen,
alle Ochsen gleichen Dir.
Da bleibt nur noch eines zu sagen:
Prosit Neujahr
– und nicht nur Sekt; da braucht es schon härteren Stoff.
Verwandte Artikel
Tags: 2012, Neujahr, vorhersage
















I came, I read this atrcile, I conquered.
[Translate]
This is what we need – an insight to make ervyenoe think
[Translate]