Der Papst war da. Er hat viele Reden gehalten. Durfte vor dem Bundestag sprechen. Durfte die Politik ermahnen. Plauschte mit Vertretern anderer Kirchen. …
Was hat uns dieser Besuch in seiner Heimat gebracht – außer ratlosen Gesichtern?
Wohl gemerkt: ich bin kein Katholik und den Anspruch des Papstes auf die Stellvertreterschaft Gottes, kann ich allenfalls als Aberglauben mittelalterlichen Zuschnitts ansehen. Trotzdem, fürchte ich dem Papst in einigen Punkten zustimmen zu müsse.
Aber der Reihe nach.
Ich fand es schon bemerkenswert, dass der Papst vor dem Bundestag reden durfte. Sicher kann man formal sagen, er spräche als Staatsoberhaupt des Vatikan. Das ist nicht der Punkt; aber es belehrte das Oberhaupt einer Organisation den Bundestag, der mit einem absolut nichts am „Zepter“ hat: DEMOKRATIE! Auch wenn ich ihm inhaltlich in manchen seiner Worte zustimmen möchte: vor DER Instanz der Demokratie schlecht hin, hat er nichts zu suchen!
Er hat wirklich viele öffentliche Auftritte zelebriert. Und gerne gestehe ich, dass er viele Menschen positiv inspiriert hat. Wer allerdings tatsächlich „neues“ im Sinne eines Wandels hin zur gelebten Wirklichkeit erwartet hatte- Den kann ich nur bedauern. Dieser Papst ist mindestens so konservativ wie sein polnischer Amtsvorgänger – und er war es schon immer.
Dann höre ich von engagierten Katholiken und katholischen Basisorganisationen, dass sie enttäuscht seien über die fehlenden, klärenden Worte zu Frauen in der kath. Kirche, den Zölibat, die Ökumene … Aber das hat er! Der Papst hat ganz klar und eigentlich gänzlich unmissverständlich die „Entweltlichung“ der Kirche gefordert. Im Klartext: KEINE Annäherung an die gelebte Wirklichkeit! Im Gegenteil.
Mich verwundert eigentlich nur, dass (von Katholiken!) offenbar etwas anderes erwartet wurde. Ich kann daraus nur eines schließen, die sind in der „falschen“ Kirche!
In einer Kirche, in der aus meiner Sicht das Mittelalter eingefroren wurde, wäre jeder Wandel der endgültige Untergang. Und jeder Papst hat im Grunde nur eine Aufgabe: die Wahrung der katholischen Kirche – zu der denn AUCH eine gewisse Glaubenslehre gehört.
Ist den Katholiken denn entgangen, dass der Papst sich als Stellvertreter Gottes sieht? Dass daneben unzählige „Götzen“ in Form von Heiligen existieren? Dass Sünden, so schwer sie auch aus menschlicher Sicht wiegen mögen, durch das Beichten vor einem kath. Priester und dessen Absulution weggewischt sind – vor Gott?! Dass Gehorsam gegenüber den päpstlischen „Verkündigungen“ zwingend ist? Das IST katholische Kirche! Darauf gründet sie!
Nein die Kritiker an der kath. Kirche, sind entweder schlicht in der falschen Kirche oder sie wollen das, was sich durch Martin Luther bereits vollzogen hat. Also was soll das?!
Die Antwort ist erschreckend einfach: Die Katholiken die Reformen in ihrer Kirche fordern, haben keinen Schimmer, welcher Kirche sie angehören! Anders kann es nicht sein. Aus dieser Perspektive hat der Papst natürlich Recht, wenn er Reformen als „Teufelszeug“ an sieht; denn es bedroht unmittelbar seine Kirche. Und warum er das nicht wirklich so sagt, liegt wohl daran, dass er nicht all die Illusionisten innerhalb der kath. Kirche vergräzen will, die einfach ausgeblendet haben, was Katholisch bedeutet: Gehorsam gegen über der kath. Kirche. Ich vermute die Mehrheit der Katholiken in den westlichen Industriestaaten hat dieses Selbstverständnis, diese Selbstdefinition der kath. Kirche einfach innerlich ausgeblendet, aber sie sind damit eigentlich keine Katholiken mehr! Der Papst, dessen bin ich mir sicher, ist sich dessen nur all zu bewusste.
Unabhängig davon, dass ich persönlich die kath. Kirche eher als Aberglaube sehe, muss ich dem Papst in gewissen Punkten Recht geben:
Man kann nicht alles relativieren. Das heißt man kann natürlich, aber es ist absolut verheerend für jede Menschlichkeit, jeglichen Glauben, jegliche Hoffnung auf eine humane Welt – es sei denn, der Münchhausen-Trick, sich selbst am Schopf aus dem Dreck zu ziehen funktioniert. Der Relativismus im gesellschaftlichen Sinn ist nichts weiter als „der Pfad des Nihilismus“ bzw. der moderne Anarchismus!
Darin gebe ich dem Papst ohne Einschränkung Recht! Dies zu formulieren ist für mich – so es eine gibt – die Quidditas der Papstbesuchs jenseits des Katholizismus.
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Tags: absolution, gehorsam, gott, katholisch, katolische Kirche, Kirche, Papst, Reform, zölibat












