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Wo hört die „Objektivität“ auf und wo beginnt die Entscheidungsfreiheit?

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Schlechte Zeiten für Menschen die auf persönlich Einschätzung, Erfahrung und Sinn für Unternehmensphilosophie haben? Die Meinen ein Mensch, ein Mitarbeiter ist mehr als die Summe seiner Qualifikationen?
Im Herbst will die Bundesregierung zusammen mit fünf Unternehmen einen Pilottest starten, um Bewerbungen offener Unternehmensstellen anonymisiert aus zu führen. Keine Name, kein Alter, kein Foto. Wozu? Eine Initiative der Antidiskriminierungsstelle des Bundes!

Bei mir ruft das – in der mildesten Form – fassungsloses Kopfschütteln hervor; doch es tendiert zu Übelkeit mit intellektuellem Brechreiz. Wieso? Ich fürchte diese Frage wird im Ernst gestellt werden und zeigt, wie tief und – wie heißt das schöne neudeutsche Wort?, ach ja – nachhaltig unsere Persönlichkeit und Menschlichkeit gelitten hat! – einmal von der Schuldfrage abgesehen, obwohl mir da einige Politikergrößen/-gößinen (um nicht schon gleich der Diskriminierung bezichtigt zu werden) spontan – wie die Würmer in faulendem Obst – einfallen.

Ist denn jetzt schon Sympathie, Antipathie und eigener kultureller Hintergrund eine Benachteiligung von andern?! Das ist Menschsein wie Lieben, Sex und Streiten. Das ist BEWUSSTSEIN! Keine Benachteiligung. Sicher ist jede Bewertung, ja jeder Wert selbst in letzter Konsequenz eine Benachteiligung – weil dadurch unsere persönlichen Präferenzen gebildet sind; genau so, wie mit der Geburt das Sterben beginnt, aber wer wollte deshalb das Leben abschaffen?!

Das mag überspitzt bis tief sarkastisch klingen. Doch es trifft den Kern unseres Problems: der Werteverlust. Weil die Politik – insbesondere sie – aber auch Kirschen und kulturelle Organisationen nicht mehr in der Lage und willens sind Werte zu „leben“ und dazu zu stehen, die Zukunft nicht als Handling von akuten Wirtschaftsstörungen zu begreifen, sondern als Aufforderung zur Gestaltung in einem Kulturellen, geschichtlichen Kontext, hat man die Bannformel „Objektivierung“ erfunden. Der größte Schwachsinn seit der Hexenverbrennung. Insbesondere die Politik bastelt permanent an irgendwelchen Pillen für akute Verdauungsstörungen der Wirtschaft; dabei wäre nur eine vernünftige (NICHT objektive, denn die gibt es nur in Gedankenfürzen geistiger Onanie) „Ernährung“ erforderlich; mehr fast alle diese „Pillen“ haben beträchtliche Nebenwirkungen – Lohndumping, Hartz IV Ergänzung, Zusatzzahlungen … – die zu Durchfall führen und mit einer neuen „Pille“ Kuriert“ wird.

Nein die persönliche und personifizierte Auswahl von Bewerber/Bewerberinnen ist keine Diskriminierung, sie ist das einzig menschlich angemessene! Man kann Herumobjektivieren wie man möchte, ein adrettes Erscheinungsbild ist für einen Verkäufer wichtig; und ein Fachbereichsleiter mag noch so „wissend“ sein, wenn er nicht in der Lage ist seine Mitarbeiter zu führen, ist das schlicht Inkompetenz … Mehr noch, ich halte die Objektivierung für eine echte Diskriminierung! Denn die verleugnet das was uns ausmacht: Meinung, Persönlichkeit und Präsenz. Ich halte das für die meisten Berufe als das wichtigste Kriterium – und wär sich an der Wursttheke schon einmal geärgert hat, dass die dahinter munter plaudern und die Kunden ignorieren, weiß was ich meine – obwohl sie ihr Sortiment gut kennen, ein Auge für die Waage haben … .

Sicher kommt es vor, dass Menschen eine Position nicht bekommen, obwohl sie mehr fachliches Wissen haben, als die Person die eine Anstellung bekommt. Aber das bedeutet nicht zwangsläufig, dass er die bessere Besetzung gewesen wäre. Ich habe immer wieder erfahren, dass fachliches Wissen von engagierten (eines der zentralen Merkmale) Mitarbeitern sehr schnell aufgearbeitet wird; dass es aber auf der anderen Seite sehr schwierig bis unmöglich ist einen Egomanen oder introvertierten Grübler, zu einem Mitarbeiter zu machen, der sich in eine Abteilung ein Team produktiv einbringt… .

Es macht – aus meiner Erfahrung – keinen Sinn einen sechzigjährigen in ein Team zu stecken, im dem sonst niemand älter als 35 Jahre ist. Und wer je erlebt hat, welches Chaos in einem Unternehmen entstehen kann, wenn plötzlich in eine große Abteilung zehn (preisgünstige) „IT-Inder“ eingekauft werden – die alle echte Fachleute waren – wird sich endgültig von dem Schwachsinn der „Objektivierung“ verabschieden.

Ich bin der festen Überzeugung, dass diese ganzen Wucherungen vermeintlicher Diskriminierung – und ich bezweifele keines Falls dass es sie a) gibt und b) nicht geduldet werden dürfen – eine einzige Ursache haben: Entscheidungsschwäche! Heute will anscheinend oder kann keiner mehr eine Entscheidung als Person treffen. Sagen, das ist meine Entscheidung – was bedeutet, dass er sie auch in aller Konsequenz zu tragen hat! War die Entscheidung im Nachhinein falsch, dann hat er die Konsequenzen zu tragen. Punktum!

Genau das tut heute kaum noch jemand. Insbesondere in der Politik ist das geradezu zu einem Tabu geworden: Konsequenzen tragen. Das ist der Grund, warum Politik zu einem Schwätzerladen verkommen ist, wo sich niemand mehr persönlich ein bringt, wo Berge voll Gutachten angeschleppt werden, Entscheidungen erst getroffen werden wenn die Karre bereits im Dreck sitzt … Alles nur, damit man keine offensichtliche, persönliche Entscheidung zu treffen hat. Das nenne ich neudeutsch MERKEL-ISMUS.

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