Das deutsche Bäckerhandwerk hat ein neues Feindbild: Aldi Süd. Hm, „neues“ ist vielleicht nicht die richtige Wahl, denn der gemeine Bäcker ist ja jetzt nicht gerade ob seiner Feindseligkeit bekannt. Wann hatte der Bäcker schon einen Feind? Als natürlicher „Feind“ kommt wohl am ehesten der Metzger in Frage, werden doch wegen ihm die Back(kunst)werke täglich auf gemeine Art aufgeschlitzt… Aber Stopp, ich schweife ab! Also zurück zur aktuellen Diskussion.
Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks reichte Klage gegen den Discounter und dessen Werbung im Zusammenhang mit neuen Backautomaten vor dem Landgericht Duisburg ein. Die Supermarktkette wirbt seit neuestem mit Slogans wie “Frisches von morgens bis abends” und “Ab sofort backen wir den ganzen Tag Brot und Brötchen für Sie“. Aber genau an diesen Aussagen stört sich Amin Werner, Hauptgeschäftsführer des Verbandes. Sie seien irreführend denn, so steht es zumindest in der Anklageschrift, würde Aldi in Wirklichkeit „keine Brote und Brötchen backen”, sondern die sogenannten Backautomaten dienten nur “zum Erwärmen von vorgebackenen beziehungsweise fertigen Broten und Brötchen”. Aha. Aber damit nicht genug: Nach Ansicht der Bäcker enthält etwa das Roggenmischbrot aus Aldis Backshop zu wenig Roggenmehl, im Dinkelvollkornbrot ist demnach der Anteil der Dinkelerzeugnisse zu klein. Klingt irgendwie so, als wäre da jemand neidisch, findet ihr nicht auch?
Die Bäcker haben Angst, dass die Kunden sich für das billigere Discounterbrot entscheiden. Das kann ich einerseits nachvollziehen, allerdings bekenne ich mich auch als Discountbrotkäufer! Wo gibt es denn heute noch eine Backstube, die ihre Rohlinge selbst zubereitet? Mir fällt da im Umkreis von 30 Gehminuten meiner Wohnung keine ein! Früher ging man zum Bäcker seines Vertrauens, weil dort die Brötchen einfach anders, besser schmeckten. Die meisten Backstuben von heute sind jedoch auch nichts anderes als Aufbackstuben! Zu einer der vielen Ketten (Ditsche, Barbarossa,…) gehörend, werden
sie morgens beliefert und backen die Teigwaren dann auf – meistens nur einmal am Tag. Gehe ich abends in den Pennymarkt, kann ich sicher sein, dass das Brot noch warm ist. In der Bäckerei um die Ecke hingegen ist das Brot schon so hart als läge es da seit Tagen!
Die wenigen Bäcker, die ihr Handwerk noch von A bis Z selbst ausführen kann ich verstehen. Denn sie sind in ihrer Existenz bedroht. Ihnen bleibt nichts anderes als mit Geschmack zu überzeugen. Aber am Ende entscheidet nun mal der Kunde und da geht es oft nicht um Tradition sondern allein um den Preis!
Aldi wird diesen Rechtsstreit meiner Meinung nach wohl kaum verlieren. Heut zu Tage wird es immer schwerer für kleine Betrieben mit den Großen mitzuhalten. Das mag den ein oder anderen traurig stimmen, lässt sich aber nicht vermeiden- auch mit verzweifelten Klagen nicht!















