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Der tiefe Fall der „Grande Nation“

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Mein französisches Herz blutet. Das, was sich da aktuell in Südafrika abspielt ist eine Schande für jeden einzelnen Spieler, den gesamten französischen Fussball- das ganze Land! Die „Equipe Tricolore“, einst ein stolzes Aushängeschild Frankreichs, macht sich vor der gesamten Welt lächerlich. Wäre das Ganze nicht so traurig, man könnte fast lachen!

Schon bei der letzten Europameisterschaft offenbarte das Team eklatante Schwächen auf und abseits des Platzes. Schon damals maulten Spieler öffentlich über die Taktik des ungeliebten Trainers, Raymond Domenech.

Nach einer mehr als durchwachsenen Qualifikation, die ihren Höhepunkt (oder Tiefpunkt?) in dem entscheidenden Handspiel Thierry Henrys fand, war es also geschafft: Auch bei der WM 2010 wird die Marseillaise in den Stadien erklingen. Doch die überaus glückliche Qualifikation sowie das uninspirierte Spiel ließen einen Großteil der Franzosen an einem erfolgreichen Abschneiden ihres Teams zweifeln. Diese Zweifel waren bereits vor dem Anpfiff des ersten Spieles überall im Land zu spüren: Von WM-Stimmung keine Spur! Stattdessen war man einhellig der Meinung, dass die Nationalelf sowieso nichts reißen wird.

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Raymond Domenech

Dieses Misstrauen spürten natürlich auch die Spieler, aber das ist alles nur keine Entschuldigung für das Kasperle-Theater was sich zurzeit in Südafrika abspielt! Die Unruhen im Team begannen bereits vor der WM als Domenech den bis dato unumstrittenen Kapitän Gallas absetzte (Warum weiß wohl nur er). Dieser reagierte trotzig und kündigte daraufhin an, während der Weltmeisterschaft nicht mit den Medien sprechen zu wollen. Ein selbstverpasster Maulkorb sozusagen.

Dann war es soweit: Das erste Spiel gegen Uruguay. Der Weltmeister von 1998 ging als klarer Favorit in die Partie, kam aber über ein glückliches 0:0 nicht heraus. Schon bemängelten einige Spieler die Aufstellung: Sie forderten unter anderem den Einsatz Henrys sowieso gewisse Spieler (Gourcouff) aus der Startelf zu nehmen. Es zeigte sich bereits da ein tiefer Graben innerhalb der Mannschaft und ein nicht vorhandener Teamgeist!

Das Veröffentlichen solcher Interna sollte eines der Hauptprobleme des Teams werden und zog sich wie ein roter Faden durch den peinlichen Auftritt der französischen Nationalmannschaft. Nach dem ersten leblosen Auftritt hofften einige auf eine Wende im zweiten Gruppenspiel gegen Mexiko, doch es folgte eine verdiente Niederlage. Und mit ihr eine Posse, wie ich sie bis dato noch nicht erlebt habe:

Es wurde öffentlich, was eigentlich niemals die Umkleidekabine hätte verlassen dürfen. Als der Trainer den Stürmer Nicolas Anelka in der Halbzeit auf dessen lustlosen Auftritt ansprach, verlor dieser die Nerven und beschimpfte den Coach aufs Übelste (den genauen Wortlaut werde ich hier besser nicht wiedergeben…). Um seine ohnehin nicht vorhandene Souveränität zu sichern, gab es für Domenech keine andere Möglichkeit, als den Spieler zu suspendieren.

Auf der Pressekonferenz am darauffolgenden Morgen entschuldigte sich dann Franck Ribéry öffentlich bei seinen Landsleuten und gab zu, dass „ die Equipe Tricolore ein Kindheitstraum und eine Ehre“ sei, er aber „seit der EURO 2008 unter ihr leide“. War es etwa möglich, gemeinsam den Karren nochmal aus dem Dreck zu ziehen? Nein!

Denn noch am gleichen Tag, knappe viereinhalb Stunden später, versammelt Kapitän Evra seine Mannschaftskollegen auf dem Trainingsplatz. Nach kurzer Diskussion beschließt die Mannschaft als Antwort auf Anelkas Suspendierung, dass sie heute keine Lust habe zu trainieren. Ein Schlag ins Gesicht des Trainers- und das vor versammelter Presse!

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Die Meuterei

Ein Affront, der nicht nur dem Trainergespann zu denken geben sollte! Ich gebe zu, dass ich Domenech absolut nicht mag und ihn lieber gestern als morgen entlassen sehen wollen würde. Aber dieses Verhalten ist dennoch unmöglich! Die Profis sind Vorbilder und niemand zwingt sie, die Farben ihres Landes zu repräsentieren!

Die Reaktionen auf dieses unglaubliche Verhalten reichen von „Wenn die Vorgänge so stimmen sollten, sind sie unakzeptabel“ (Nicolas Sarkozy) bis hin zu „ Ich wäre auch schon fast wegen Domenech ausgeflippt!“ (J.A. Boumsong, franz. Nationalspieler, der nicht für die WM berücksichtigt wurde).

Mit der heutigen Niederlage der „Bleus“ gegen Südafrika nahm das Abenteuer Südafrika ein würdiges Ende. Am Ende stehen ein Punkt, ein erzieltes Tor und ein riesiger Scherbenhaufen auf der Habenseite der Franzosen.

Laurent Blanc, der designierte Nachfolger Domenechs als Nationaltrainer ist nun wahrlich nicht zu beneiden. Er muss die Stinkstiefel aussortieren und versuchen wieder ein schlagkräftiges Team auf die Beine zu stellen. Eine Mannschaft, die wegen ihres Fussballs auffällt und nicht wegen ihrer Skandale! Adieu „Les Bleus“!

Mehr zum Eklat im französichen Team

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