Datenschutz ist in unserer digitalisierten Welt ein Dauerthema, rückt aber nicht zuletzt durch das Urteil der Karlsruher Richter wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Der Zugriff auf Daten seitens des Staates wurde erschwert und viele feiern dies als Schritt hin zu mehr Datenschutz- und twittern das Urteil in die Welt hinaus.
Wir wollen nicht, dass Vater Staat Daten über uns speichert, aber speisen zeitgleich das Netz ununterbrochen mit eben jenen- das ist paradox! Zu glauben, man sei Herr über seine eigenen Daten ist naiv. Wer im Internet unterwegs ist, hinterlässt überall Spuren und diese werden doch schon längst gesammelt und gespeichert. Stichwort: Google. Wir erheben uns gegen den bösen Staat, der alle Bürger unter Generalverdacht stellt, aber interessieren uns nicht die Bohne, was Firmen wie eben Google mit unseren Daten macht. Eine sehr einseitige Sicht der Dinge, findet ihr nicht?
Die meisten Menschen benutzen die Google-Suchmaschine und sorgen damit selbst dafür, zum gläsernen User zu werden. Man bekommt Informationen über Krebs, Waffen oder einen Job und im Gegenzug wird die Anfrage mit zugehöriger IP gespeichert. Was Google mit den gesammelten Daten macht, kann niemand kontrollieren. Und die Firma wird auch nicht müde, ihr Sammelsurium an Daten zu vergrößern und auch zu nutzen.
Bestes und zugleich erschreckendes Beispiel ist die neue Anwendung „Goggles“. Die Anwendung kann automatisch erkennen, was sich vor der Linse einer Handykamera befindet. In Sekundenbruchteilen vergleicht die Software das Kamerabild mit gut einer Milliarde Bilder, die in den Speichern der Suchmaschine registriert sind. Was nach Science-Fiction klingt, ist bereits Realität: Der Computerriese lernt das Sehen! Dabei wird man sich nicht damit begnügen, ein Gebäude zu identifizieren. Im Gegenteil: Techniker arbeiten unter Hochdruck an der Gesichtserkennung. Im Klartext heißt das: Befindet sich in den Weiten des Internets ein Bild von einer Person, die ich gerade heimlich fotografiert habe, so ist dieses ziemlich sicher bei Google gespeichert. Goggles verknüpft nun das Bild mit den gesammelten Daten und liefert mir ein Profil der Zielperson. So kann jeder zu Sherlock Holmes werden und es droht das Ende der Anonymität im öffentlichen Raum!
Google agiert frei nach dem Motto: „Wenn es etwas gibt, von dem sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten sie es vielleicht gar nicht erst tun!“ Das ist erschreckend, schreckt aber nicht viele ab. Vorbei sind die Zeiten, in denen man mit dem Herunterfahren des Rechners auch die Verbindung zum Web kappte.
Google besitzt mehr Informationen über die Bürger als jede Regierung und unsere Datenschützer sind nahezu machtlos. Diese monierten beispielsweise 2008, dass der Konzern die IP-Adressen der Nutzer anderthalb Jahre speichert. Google konterte, dass die EU gar nicht zuständig sei, werden die Daten doch in den USA verarbeitet. Als Zeichen guten Willens versprach das Unternehmen aber, die IP künftig nach neun Monaten zu anonymisieren. Ob das wirklich gemacht wurde, kann niemand überprüfen.
Darüber hinaus werden unsere Daten doch schon längst von z.b. der amerikanischen Regierung genutzt. Auch der Internetriese unterliegt schließlich dem Patriot Act: Google ist verpflichtet den amerikanischen Ermittlungsbehörden auf Anfrage Nutzdaten herauszugeben, natürlich auch ohne die Betroffenen zu informieren. Wenn also Angie Infos über uns haben möchte, ruft sie einfach kurz in Washington an…
Wer also bei Facebook, Gmail oder Konsorten unterwegs ist, sollte seine Kritik an staatlicher Datensammelwut nochmal überdenken!
Mehr zum Urteil des BVG gibts hier
Mehr Meinungen zur Sammelwut Googles gibts hier

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Tags: Daten, Datensammeln, Datenschutz, Goggles, Google, Internet















Ja Seb. Ich gebe Dir vollkommen Recht, was Google betrifft! Google ist ein Datensammelmonster. Und es ist kaum noch möglich dieser Krake zu entgehen. Aber…
Du argumentierst nach dem Motto, was wollt ihr eigentlich, es werden ja schon Daten von dem und dem … gesammelt und gespeichert; wozu dann sich beklagen wenn immer neue Datensüchtige von diesem Virus befallen werden? Da kann ich Dich nur fragen, ist es legitim bei uns etwa Menschen hin zu richten, nur weil es in den USA praktiziert wird?
Ich halte das – gelinde gesagt – für gefährliches Beliebigkeitsdenken. Hier geht es um UNSEREN unmittelbaren Lebensraum, um unseren Staat, in dem wir Bürger sind. Es ist der Staat für den jeder Einzelne als Mitmensch auch mit verantwortlich ist! Darum geht es. Hier haben wir nicht nur das Recht, nein auch die Pflicht uns dessen anzunehmen, was wir als schlecht, gefährlich, unmoralisch … halten! Es muss Schluss sein mit dem Merkel-n, dass alles nur in einem “Großen und Ganzen”-Brei verrührt werden muss. Es ändert sich im Gegenteil nur etwas, wenn sich jeder dort einsetzt, wo er (so gering auch immer) die Möglichkeit dazu hat. Alles andere ist (besten falls) Ergebnisloses Lamentieren.
Es geht noch weiter. Denn was die Regierung mit dem Speichern der Telekommunikationsdaten versucht hat, hat durchaus eine andere Qualität – was, wenn Du einmal auf LEUAS nach liest, auch an der Einschätzung der Richter selbst über die Tragweite dieses Urteils ablesen könntest.
Keiner – gleich was er tut – kommt ohne Telekommunikation aus – ob nun privat oder geschäftlich! Es besteht keine Möglichkeit sich zu entziehen! Hier geht es auch nicht um Business, sondern um das expliziete, ausgeführte Mißtrauen des Staates gegenüber seinen Bürgern.
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Ich behaupte ja nicht, dass ich mich gerne von der Regierung überwachen lasse. Aber ich glaube, dass das eigentliche Problem nicht das Sammeln von Daten ist! Das Problem ist, dass der Staat in die Privatsphäre seiner Bürger eindringt und das ist es, was uns stört. Dabei ist es unerheblich wie er es macht, ob er uns mit Kameras überwacht, unsere Telefone abhört oder eben unsere digitalen Spuren aufsammelt.
Die Überwachung durch den Staat kann auch ich nicht tolerieren, aber ich bin der Meinung, dass eben viele Menschen sich auf die Vorratsdatensammlung eingeschossen haben. Sie beschweren sich eben nicht darüber das, sondern wie Vater Staat sie unter Generalverdacht stellt! An eben jene ist mein Appell gerichtet, sich zu überlegen ob es wirklich das Sammeln von Daten ist, was sie stört!
Zu deinem Vergleich mit der Todesstrafe: Natürlich sollte jedes Land seine moralischen Werte verteidigen, das stelle ich ja gar nicht in Frage! Aber können wir so verhindern, dass in den USA oder sonst wo Köpfe rollen? Nein. Genauso verhält es sich mit dem Datensammeln.
Das Internet ist global und lässt sich durch nationale Gesetze nicht regeln! Es ist gut, wenn wir unsere Werte verteidigen und der Welt zeigen, dass wir nicht pro forma als Täter abgestempelt werden wollen. Aber verhindern, dass jemand Daten über uns sammelt (und überprüfen was er damit macht) können wir meiner Meinung nach nur, wenn wir den Netzstecker ziehen!
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“… ist eben global …”. Seb das ist doch genau die difuse Merkel-ein. Sicher ist das Internet global. Aber genau deshalb müssen wir dort ansetzen, wo wir (wenn auch nur im Kleinen) Einfluss ausüben können: bei uns! Es muss aus meiner Sicht endlich aufhören, dass alles was man nicht tun will, kann oder für zu Mühsam hält auf das “Global” abgeschoben wird.
Ja, sicher können wir nicht verhindern, dass Daten gesammelt werden. Aber gerade weil wir erst lernen müssen damit umzugehen ist es entscheident, die Sammelwut so weit wie irgend möglich zu begrenzen. Da hilft meiner Meinung nach wenig, das einfach als “Lauf der Dinge” zu konstatieren.
Nur kritische “Begleitung” kann uns allen die Chance geben – übrigens auch den Unternehmen und dem Staat – einen vernünftigen Interessenausgleich in einem Medium zu finden, das unser aller Vorstellung an Entwicklungsgeschwindigkeit und Möglichkeiten weit übertroffen hat.
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