Herbert liegt behäbig im Fernsehsessel. Auf den wabbeligen Zügen ruht stoische Langeweile. Gegenüber die Ereignisse: – es wird geschossen, – Pferde hetzen über Wiesen, – irgendjemand stürzt zu Boden – Rascheln und Knistern stören den Todeskampf: Chips.
Ein gelegentlicher, genervter von Herbert deutet auf Trudes Aktivitäten in der Küche. In der abgewandten Ecke werkelt Opa Müller vor sich hin.
Herbert: „Trude – was macht Opa?!“.
Ein Frauenkopf erscheint in der Durchreiche: „Opa, was machst du da?“.
Opa: „Häh?“ und um die ohnehin abstehenden Schalltrichter legen sich zittrige Hände.
Trude: „W A S M A C H S T D U D A??“.
Opa: “Was ich mache?”
Trude: “Ja!” – EinTopf poltert. Ihre Augen hasten in die Küche zurück. Herbert wirft einen mahnenden Blick zu Durchreiche.
Opa: „Im Moment?“.
Trude: „Opa!“ ärgerlicht sie ins Wohnzimmer. Ihr Kopf schwank ruthmisch als Resonanz auf ihr heftiges Wischen.
Opa: „Überlegen.“
Trude: „Waas? – Du machst doch was mit dem Globus!“ und ein Putztuch huscht kurzweilig in Richtung des Balls.
Opa: „Bis eben.“
Trude: „Wieso?“
Opa: „Weil ich jetzt überlege.“
Trude: „Also gut, -„
Herbert: „Trude! – Was ist?! – Macht Opa!“ wirft er gereizt dazwischen und dreht das geknalle im Fernseher lauter.
Trude: „- was überlegst du?“
Opa: „Was du eigentlich willst.“
Trude: „Jetzt wird ich aber …“ und auch der magersüchtige Busen lugt aus der Durchreiche.
Herbert: „T-r-u-d-e!“
Trude: „JA!“ schreiend, um sogleich wie eine Schildkröte ihren Panzer zurück zu schrecken. Herbert bemerkt es gar nicht, schreit nur „Schieß doch!“ in die Röhre.
Trude: „Opa, bitte – was machst Du da?“
Opa: „Mit dem Globus?“ und Trudes Gesicht wurde aschfahl. „Den Ständer abbauen.“ Und grinste nickend vor sich hin.
Trude: „W-i-e-s-o?!“
Opa: “Sonst geht es nicht.” staunte der Alte.
Trude kommt nur zum öffnen des Mundes-
Herbert: „HEEE!“ posaunte er dazwischen und in der Röhre mühte sich tonlos ein Nachrichtensprecher ab.
Trude schnellte in der Durchreiche zurück um zögernd wieder hervor zu lugen.
Herbert: „Bin ich jetzt schon Luft für dich?!“
Trude: „Aber …“
Herbert: „Sag endlich was los ist.“
Trude: „Es- also – es scheint- „
Herbert: „Was verflucht!“ und sein Kopf schob sich tatsächlich über die Rückenlehne; ihr zuwendend.
Trude: „Opa baut den Globus auseinander.“ Stöhnte sie resigniert.
Herbert: „Mein Globus?“
Trude: „-„.
Herbert: „Der innen beleuchtete? – Mit der Leselupe? – Den ich zum Jubiläum …“.
Trude: „Herbert, ich bitte dich –„.
Herbert: „Der?“.
Trude: „Ja.“ Und sank in sich zusammen.
Herbert: „Aber das ist doch …“, ein kurzer Seitenblick zum Fernseher, der Ton schwillt an, irgendwelche Figuren wälzen sich auf dem Boden herum: Peng!, peng! …
Trude sinkt erleichtert in der Durchreiche zurück. Zu früh. Schon verstummt der Kasten.
Herbert: „Wozu?“
Trude: „Was?“.
Der gefürchtete Blick über die Rückenlehne:
„Du willst mich wohl verarschen. – Ist es das?!“
Trude: „Nein, nein. – Bestimmt nicht.“
Herbert: „Dann sag was das soll!“
Trude: „Bitte, glaub mir, ich wollte dich wirklich nicht –„
Die Fernbedienung bumste auf den Tisch! Trude zuckt fassungslos zurück: ‚er hat die Fernbedienung weg gelegt‘, droht es in ihrem Kopf. – Mit einem Blick, der eine Bulldogge in die Flucht geschlagen hätte, stampft er an der urplötzlich leer gewordenen Durchreiche vorbei auf Opa zu, der sich unverdrossen mit der Weltkugel amüsiert.
Herbert – als erbreche er die Worte: „Was wird das mit dem Globus!“
Opa sieht erstaunt auf: „Ja – ja – Lokus – da will ich hin.“, schiebt die gebisslosen Kiefer zusammen; die Lippen türmen sich zum Schmollschnabel.
Herbert stupiedet ihn fassungslos an. Schüttelt schließlich den Kopf; schlurft zum Fernsehsessel zurück. – Die Ereignisse in der Glotze nehmen ihren Lauf: Ein Edelmann in verschwenderischer Gewandung ….
Minuten vergehen. Trude hat sich in der Küche verborgen. Opa werkelt unverdrossen.
Ein Schrei! Trude stürmt ins Zimmer; will etwas sagen; bleibt in stummer Aufgelöstheit.
Herbert wendet sich von den Ereignissen ab und funkelt Trude gefährlich Feindselig an.
Herbert: „Was soll das!!“
Sekunden bedrohliches Schweigen.
Trude: „Opa! – Er macht – Auf dem Klo …“, zeigt in Richtung WC.
Herbert zornt sich in die Richtung (diesmal mit Fernbedienung, was Trude beruhigt) In der offenen WC-Tür bleiben seine Füße förmlich kleben. – Opa auf der Toilette. Die Hosen unten; regt sich in absonderlichen Verrenkungen, balanciert irgendwie und sein Schmollschnabel ufert in süffisantes Lächeln aus.
Herbert schlurft näher – die Fernbedienung leicht angehoben, als drohe er Opa einfach weg zu tasten.
Es entgeht seinem Scharfblick nicht: da in der Schüssel: ‚Mein Globus.‘ schießt es ihm durch die Birne. Und tatsächlich tritt fassungsloses Staunen in seine Züge.
Dann: zuerst Brodeln & Rumoren – ein langgezogenes „Platsch“, begleitet von einem vernehmlichen „Ahh!“ – schließlich Gestank. Opas Lippen metamorphierten zu einem grellen Schmetterling des Lachens, der Herbert umschwirrte.
Trude stürmte vor; schiebt sich – das Schlimmste befürchtend – zwischen ihn und Opa. Abrupt löste Herberts Fassungslosigkeit: grinst und nickt vor sich hin. Gemächlich verschwindet er im Wohnzimmer. Trude sieht ihm verdutzt nach und : „Opa!!“.
Der lachte unverdrossen: „Ich hab‘s getan! Endlich getan: – Auf die Welt geschissen!“
Trude tritt zögernd näher: „Ja.“ Stammelt sich konsterniert, „Und ich kann alles wegwischen!“
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