Ganz hinten auf der Programmliste, versteckt zwischen diversen Verkaufssendern, findet man sie: die „Dritten“. Man könnte gemein sein und anmerken, dass sie ihren Namen auch wegen ihres Publikums haben. Landläufig auch als Rentnerprogramme verschrien, kämpfen sie fortwährend um ihre Existenz. Trotz GEZ-Millionen(!) befinden sie sich ständig in der Krise. Bei dem ewigen Kampf um die Quote, wandeln sie dabei auf einem schmalen Grat zwischen öffentlich-rechtlichem Auftrag, angestaubten Programm und dem Geschmack der Masse.
Die Dritten Programme haben das gleiche Problem wie ihr Muttersender ARD, nur in verschärfter Form: Sie sind noch älter als das Erste und durchzogen von Volkstümlichem. Da verwundert es nicht, dass sie unentwegt nach Mitteln suchen um ihre Quote aufzumöbeln und dadurch ihre Existenz zu garantieren. Aber eben dieses Vorhaben erscheint nahezu aussichtslos. Massentaugliches Programm ist nicht sehr anspruchsvoll, ja oftmals primitiv, und verträgt sich nicht wirklich mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag.
Die angeheuerten Medienforscher erkannten, dass unter anderem in der „Bürgerlichen Mitte“ das meiste Potenzial für Quotensteigerungen schlummert. Laut SWR mag die neu auserkorene Zielgruppe weniger „Information-Overload“, dafür aber mehr „Infotainment“. Sind die Dritten, frei nach dem Pro7-Motto „We love to entertain you“, etwa auf dem Weg privates Fernsehen kopieren zu wollen? Brauchen wir wirklich noch eine Boulevard- oder Kochsendung?
Das ewige Gieren nach der Quote zerstört das, wofür die Sender früher bekannt und gemocht waren. Damals durfte noch experimentiert werden, und was gut ankam wurde ins Erste befördert. Was floppte wurde ohne großes Aufhebens eben wieder abgesetzt. Doch diese Unbekümmertheit ist, aufgrund des wachsenden Quotendruckes, längst passé. Bestes Beispiel ist der Hessische Rundfunk. Er baut nicht auf modernes Infotainment. Im Gegenteil, sein Programm ist überladen mit Lobesarien auf das schöne Heimatland. Egal ob „Hessens schönste Burgen“, „Hessens schönste Wälder“ oder „Klöster in Hessen“, das kleine Bundesland feiert sich unablässig selbst. Unglaublich aber wahr, dieses altbackene Programm hat auch noch tatsächlich Erfolg! Die HR-Quote wächst. Darüber hinaus spart der Sender mit diesen günstigen Programmen (und deren Wiederholungen) jede Menge Geld. HR-Intendant Helmut Reitze hält sein Programm übrigens für ,, relevant, bedeutend, wichtig und unverzichtbar“. Da fragt man sich doch, gegen welchen Baum er gelaufen ist! Wollen wir wirklich Gebührenmillionen für die Selbstbeweihräucherung einzelner Bundesländer ausgeben? Nein! Denn nach dem Landesrundfunkgesetz müssen die Programme den Zuschauern umfassend und ausgewogen Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung anbieten. In Hessen gibt es jedoch lediglich gequirlten Einheitsbrei. Der HR hat den oft gescholtenen Mitteldeutschen Rundfunk längst überholt auf dem Weg in die volkstümelnde Bedeutungslosigkeit. Dabei hat doch gerade Hessen einen Clown an der Spitze der Regierung, dessen Aussetzer alleine, mehrere Politiksendungen füllen könnten! Aber anstatt die Landesregierung kritisch zu beäugen, begnügt man sich mit „Omafernsehen“…
Ich befürchte, dass noch weitere Dritte dem Vorbild Hessens folgen werden. Sie können zwar argumentieren, dass der Erfolg ihnen recht gäbe, aber dann dürfen sie sich nicht wundern, wenn ihr Programm weiter zustaubt! Seid wieder mutig, schenkt uns weniger Landschaftsaufnahmen und mehr Sendungen à la „Dittsche“ oder „Inas Nacht“!

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