Als ich mal wieder am Bahnhof herumhing, weil mein Zug natürlich eine üppige Verspätung aufzuweisen hatte, bin ich relativ ziellos durch den Bahnhofsbuchladen getappt. Da ich gerade nichts zu lesen hatte, schaute ich was es so Neues gab. Mein Blick fiel auf Frank Schätzings „Der Schwarm“, den ich bis dato nur aus der Spiegelbestsellerliste kannte. In einem Akt gnadenloser Spontanität, konnte ich mich irgendwann dann doch dazu durchringen, das Buch zu kaufen.
Eigentlich bin ich kein Fan von Thrillern, aber dieses Buch hat mich dennoch gefesselt. Hier gibt es nämlich nicht den typischen Bösen. Vielmehr beschreibt Schätzing in seinem knapp tausendseitigen Werk den „Feldzug der Natur gegen den Menschen“. Wenn man das Buch kurz zusammenfassen möchte, könnte man sagen: Die Natur erhebt sich gegen die Menschheit und rächt sich an ihr. Überall auf der Welt kommt es nahezu zeitgleich zu mysteriösen Ereignissen im oder auf dem Meer. In Peru verschwinden mehrere Fischer ebenso spurlos, wie Wale vor der Küste Kanadas. Australien meldet eine ungewöhnlich starke Quallenplage und norwegische Ölbohrfachleute machen eine seltsame Entdeckung…
Schätzing gelingt es, seine Geschichte sehr detailgetreu aber dennoch jederzeit spannend zu erzählen. Dies gelingt ihm insbesondere dadurch, dass er viele Handlungsstränge parallel laufen lässt, um sie dann gekonnt zu einem großen Ganzen zu verknüpfen. Dieses große Ganze ist- soweit man es überblicken mag- sehr gut recherchiert, ging dem Autor doch eine ganze Armada von Wissenschaftlern zur Hand. Manche, wie der deutsche Geologe Gerhard Bohrmann, spielen dann auch im Roman selbst eine gewichtige Rolle. Das Buch unterhält nicht nur, sondern verschafft obendrein auch einen Einblick in die Meeresökologie und die Offshore-Industrie Norwegens.
Das Ausmaß mit dem der Angriff der Natur stattfindet, mag auf den ersten Blick stark übertrieben sein und erinnert reichlich an Science-Fiktion. Aber bei genauerem Nachdenken, stellte zumindest ich mir die Frage: Warum eigentlich nicht? Eine entfesselte Meereswelt, die von einer Intelligenz aus den Tiefen der Ozeane gesteuert wird, mag unwirklich klingen, aber wie viel wissen wir denn über die Tiefsee? Obwohl sie den größten Teil unseres Planeten einnimmt, ist über sie weniger bekannt als über die Oberfläche des Mondes. Ob es übertrieben ist oder nicht, sollte jeder für sich beurteilen. Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass eine solche Rache- in welcher Form auch immer-prinzipiell möglich ist. Der Glaube, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist, ist überheblich, arrogant und letztendlich auch Ursache für den, in diesem Buch beschriebenen Feldzug der Meeresfauna.
Das Buch spaltet die Gemüter. Zugegeben, wer nicht an die mögliche Existenz anderer Intelligenzen glaubt, wird an diesem Buch nicht so viel Freude haben. Allen anderen kann ich es nur empfehlen! Es bietet gute Unterhaltung, und genau das sollte ein Roman auch tun, oder?
Mehr Meinungen, von sehr gut bis miserabel, gibt es hier

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Tags: buch, Frank Schätzing, Intelligenz, Schwarm, Tiefsee















[...] vor dem feindlichen Truppen, aber nicht vor dem hausgemachten Bösen! Wenn ihr nicht wollt, dass Frank Schätzings düstere Vision wahr wird, dann investiert lieber in die Zukunft unseres [...]
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