Das Privatfernsehen ist zweifelsohne in der Krise und das schon seit geraumer Zeit. Jahrelang baute man seitens der Programmchefs auf amerikanische Sendungen, bis man irgendwann auf die Idee kam, dass man ähnliche Serien doch auch selbst produzieren könnte. Guter Gedanke, aber die Umsatz war oder ist alles andere als gelungen. Sendungen wie „Klinik am Alex“ konnten ihrem amerikanischen Pendant, in diesem Falle wohl „Emergency Room“, nicht das Wasser reichen. Folgerichtig distanzierte man sich dann doch relativ schnell wieder von dem Glauben, US-Erfolgsserien zu kopieren. Also machte man sich wieder einmal auf die Suche nach neuen, billigeren Formaten und man wurde fündig: Reality-TV. Über Formate wie Big-Brother habe ich mich ja schon in einem früheren Beitrag ausgelassen.
Heute soll es um eine gänzlich andere Art von solchem Realitätsfernsehen gehen: Das Begleiten von Ordnungshütern scheint der neue Trend zu sein! Egal ob Zöllner am Flughafen, das Quakenbrücker Ordnungsamt oder die Polizei, alle werden neuerdings von einem Kamerateam begleitet. Ihr werdet zurecht sagen, dass es solche Sendungen schon seit Jahren gibt, allerdings nimmt ihre Quantität kontinuierlich zu! Angefangen hat alles mit Toto&Harry, den beiden Bochumer Polizisten auf Sat1. Als man merkte, dass sich das Format verkauft, begann fast jeder Sender eine ähnliche Reality-Dokumentation zu senden. Inzwischen kann man sogar auf DSF (=Deutsches Sport Fernsehen), den Herren über Recht und Ordnung über die Schulter sehen! Wird Gaffen jetzt zum neuen Volkssport? Denn nichts anderes ist das meiner Meinung! Stellt euch mal vor, ihr würdet euch bei einer Festnahme direkt neben den Beamten in das Polizeiauto setzen. Ihr würdet zurecht einen Anschiss kassieren und davon gejagt. Aber im Grunde machen die Kamerateams nichts anderes, nur dass sie gleichzeitig mit Millionen von Augen gaffen!
Das ganze Format basiert, wie fast alle Realtiy-Sendungen auf dem Ergötzen am Leid des Anderen. Der Zuschauer lacht, wenn er einen betrunkenen Autofahrer sieht der sich raus zu reden versucht, immer „cool“ kommentiert vom jeweiligen Polizisten. Aber lacht er immer noch, wenn er von einem solchen über den Haufen gefahren wird? Das größte Problem in meinen Augen ist, dass die Betroffenen nicht ausreichend geschützt oder verfremdet werden. Klar, man macht ihr Gesicht unkenntlich, aber reicht das aus? Ich denke nicht! Alleine anhand der Stimme, der Kleidung oder gar der Wohnung der gefilmten Betroffenen, sind diese für ihre Nachbarn oder den Chef leicht zu erkennen!
Darüber hinaus sollte man nicht meinen, dass so nette und geduldige Polizisten wie Toto&Harry die Regel sind. Ich habe es in meiner Zeit als Rettungssanitäter oft genug erlebt, dass Polizisten sehr schnell die Geduld verlieren und sich auf ein ziemlich derbes Niveau herablassen können! Wenn ich so darüber nachdenke, war es eigentlich sogar bei den meisten so. Natürlich werden Streifenpolizisten möglichst nicht vor lauter Kamera ausrasten weil sie eben wissen, dass sie gefilmt werden und jeder ihnen bei ihrer Arbeit zusehen kann. Die Ordnungshüter verkommen zu Schauspielern und fühlen sich dadurch mitunter als Stars. Toto&Harry veröffentlichen Bücher und gehen sogar auf Tour; damit profilieren sie sich selbst, aber mit wirklicher Polizeiarbeit hat das nichts mehr zu tun!
Ich warte auf den Tag an dem der erste Notarzt von einem Kamerateam begleitet wird, und die ersten offenen Schädelbrüche in tausende Wohnzimmer gesendet werden. „Guck mal Lisbeth, der Depp hat sich den halben Kopf abgerissen!“…

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