Nach Finanzkrise, Auftragseinbrüchen in der Industrie und einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung von 6,1 Prozent ist der aktuell zu beobachtende Anstieg der Arbeitslosenzahlen nicht besonders überraschend. Die OECD prognostiziert für das Jahr 2010 mindestens 5,1 Millionen Erwerbslose in Deutschland, was einer Arbeitslosenquote von 11,6 Prozent entspricht.
Dass uns die Arbeit ausgeht, ist seit mehr als zehn Jahren kaum zu übersehen. Und trotzdem scheinen sich die Politiker und Wirtschaftsverbände hierzulande mit allen Mitteln gegen diese Einsicht zu sträuben. Sie propagieren weiterhin die Vollerwerbsgesellschaft als erreichbares Ideal.
Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaftler auf der ganzen Welt halten dieses Konzept für überholt und unrealistisch. Denn die Arbeitslosigkeit ist Resultat von den Prozessen der Automatisierung und dem Übergang von der Dienstleistungs- zur Wissensgesellschaft. Im Grunde ist sie also das Ergebnis des Versuchs, mit immer weniger Aufwand bzw. Arbeit immer mehr zu produzieren.
Diese Situation eröffnet ganz neue Möglichkeiten und Freiräume, die wir nur nutzen müssten. Was jetzt gebraucht wird, ist doch ganz klar ein Mechanismus, um möglichst alle Bürger von diesem Zustand profitieren zu lassen.
Ein Ansatz sollte daher die Ausarbeitung eines funktionierenden Systems zur sozialen Grundsicherung aller sein. Nicht sinnlose Debatten und der Einsatz von Milliarden an Steuergeldern zum Erhalt oder der Wiederherstellung der Vollbeschäftigungsgesellschaft. Ökonomen und Sozialwissenschaftler plädieren seit Jahrzehnten für ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger. Ein Grundeinkommen oder auch Bürgergeld zur Sicherung der Existenz.
In der Theorie wäre es schon heute möglich, jedem einzelnen Bürger durch eine Grundversorgung die ständige Angst um seine Existenz zu nehmen. Dann gäbe es keinen Zwang mehr in unterbezahlten, oft unbefriedigenden Jobs zu arbeiten. Arbeit wäre keine Pflicht mehr, sondern eine Möglichkeit, sich selbst auszuprobieren und von dem etwas beizutragen, worin man gut ist und das den eigenen Fähigkeiten entspricht. Jeder Bürger hätte die Möglichkeit, sich selbst eine sinnvolle Aufgabe zu geben, und seine eigenen Ideen und Fertigkeiten einzubringen und die Gesellschaft auf diesem Wege voranzubringen.
Ich frage mich, wie kann man angesichts dieser Tatsachen behaupten “Sozial ist, was Arbeit schafft” oder fordern “Arbeit muss sich wieder lohnen.” Oder gar “Arbeit soll das Land regieren”?! Es gibt diese Art von Arbeit nicht (mehr), es müssen andere Mittel gesucht werden, damit in Zukunft alle Bürger gut und sicher leben können.
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