Seit nunmehr fast 15 Jahren bin ich Vegetarier. Das ist heutzutage nichts Besonderes mehr, da sich die fleischlose Ernährung im Zuge des gegenwärtigen Bio-Trends zum Mainstream entwickelt hat. Die Diskussionen bei einem gemeinsamen Essen im Kreise der Familie oder die Nachfragen im Restaurant, ob die Suppe auch tatsächlich aus Gemüsebrühe hergestellt ist, sind daher erfreulich selten geworden. Dennoch muss man sich als Vegetarier oder gar Veganer nach wie vor häufig für seine Entscheidung rechtfertigen.
Wer den Entschluss zur vegetarischen Ernährung partout nicht nachvollziehen kann, dem möchte ich daher den Artikel „Ethik in der Ernährung“ von Petra Steinberger ans Herz legen. Der Essay bringt die Problematik bzw. die zwingenden Gründe für eine vegetarische oder zumindest bewusste Ernährung genau auf den Punkt. So schreibt sie, dass Essen angesichts der Prognosen zur Klimaerwärmung, Umweltverschmutzung und Welthunger heute eben keine rein private Angelegenheit bzw. Geschmacksfrage sein kann.
Nach der UN-Studie “Livestock’s Long Shadow” ist die Viehhaltung für 51 Prozent der Klima erwärmenden Gase verantwortlich. Bei den Rodungen des Amazonas, die seit den Siebzigern vorgenommen wurden, ging es in über 90 Prozent um die Neuschaffung von Weideflächen. Überhaupt wird heute der Großteil der weltweiten Getreide- und Sojaernte zu Viehfutter verarbeitet. Im Jahre 2050 wird den Tieren, die wir zur Produktion von Fleisch halten, so viel pflanzliche Nahrung als Futtermittel gefüttert, wie vier Milliarden Menschen verbrauchen würden.
Mal ganz abgesehen von der ethischen Komponente, wie kann man da noch sagen “mir schmeckts nun mal aber”?! Diese Daten machen deutlich, dass es sich bei einer bewussten Ernährungsweise nicht einfach nur um eine private Vorliebe handelt. Unser maßloser, unhinterfragender Konsum von Fleisch und Fisch hat weitreichende Konsequenzen. Selbst wenn man es schafft, die unwürdigen, leidvollen Umstände für die konsumierten Tiere im Zusammenhang mit Massentierhaltung auszublenden – vor den Folgen für Klima, Umwelt und Welternährung können wir nicht länger die Augen verschließen. Im Grunde müssten nicht wir Vegetarier uns für unsere Lebensweise rechtfertigen, sondern die Menschen, die keinerlei Wert auf bewusste und damit verantwortungsvolle Ernährung legen.
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