Im Zeitalter von “Karma-Kapitalismus” und “Moralisierung der Märkte“ hat sich der gesellschaftlich verantwortliche Konsum zum Mainstream entwickelt. Heute kauft man Gemüse im Bioladen oder wenigstes die BioBio-Produkte vom Discounter, Shirts aus Organic Cotton bei H&M und wagt auch einmal einen Blick auf Etikett und Produktbeschreibung, um festzustellen, unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen Unternehmen produzieren. Auch der Umsatz für fair gehandelte Produkte hat sich im letzten Jahr weltweit um 25 Prozent gesteigert.
Vor diesem Hintergrund hat sich das so genannte Cause Related Marketing zu einem starken Marketingtrend entwickelt – also quasi ethische Marketingprogramme, bei denen der Kauf eines Produkts z. B. mit einer Spende verknüpft ist. Wegbereiter für das Cause Related Marketing in Deutschland war die Kampagne für den Regenwald der Krombacher Brauerei. Die Aktion, bei der der Kauf eines Kasten Krombachers mit einer Spende zum Schutz des Regenwaldes verknüpft wurde, stellt die erfolgreichste Kampagne der Firmengeschichte dar. Zahlreiche Unternehmen folgten dem Beispiel von Krombacher.
So ehrenhaft diese Kampagnen klingen, ein paar Fragen bleiben offen: Werden so tatsächlich Spenden für wichtige Aktionen gesammelt, die sonst nicht finanziert worden wären und bleibt es dabei nicht nur bei einem punktuellen Einsatz ohne nachhaltige Wirkung? Werden bei dieser Art des Marketings nicht die guten Namen von gemeinnützigen Organisationen für niedere Zwecke der Verkaufsförderung eingespannt? Werden die Verbraucher mit Augenwischerei getäuscht, da die Kampagnen nur vom schlechten Image ablenken sollen? Prostituieren sich hier gemeinnützige Organisationen für Wirtschaftsunternehmen? Und kann Cause Related Marketing dazu führen, dass die Konsumenten, ihre eigenen direkten Spenden an gemeinnützige Organisationen reduzieren?
Egal, wie man dazu stehen mag: Wer durch aktiven Konsum allein, also durch den Kauf von Produkten, die an ein Spendenprojekt gekoppelt sind, sein Gewissen beruhigen will und glaubt, er habe damit genug für die Umwelt etc. getan, ist in jedem Falle auf dem Holzweg. Statt Saufen für den Regenwald und kurzfristigen Spendenaktionen zur Absatzsteigerung braucht es langfristig angelegtes und durchdachtes Engagement, nachhaltiges Wirtschaften und bewussten Konsum. So lässt sich zwar nicht die Welt retten, aber zumindest auf dem Feld von Wirtschaft und Konsum Verantwortung übernehmen.
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