Kurz vor Weihnachten erreicht uns endlich auch mal wieder eine gute Nachricht: Die bestehenden Gesetzeslage zum Sorgerecht unverheirateter Eltern muss nach einem Urteilsspruch des Europäischen Gerichtshofs zugunsten eines ledigen deutschen Vaters geändert werden. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger versprach bereits, einen neuen Gesetzesentwurf vorzulegen. Damit wird eine himmelschreienden Ungerechtigkeit im deutschen Rechtssystem zu guter letzt Einhalt geboten.
Bisher müssen unverheiratete Väter bei einer Trennung zwar die volle Verantwortung in Form von Unterhaltszahlungen für ihr Kind übernehmen, das Sorgerecht und damit die Entscheidungsgewalt über das Besuchsrecht fällt aber allein der Mutter zu. Sollte eine Trennung nicht einvernehmlich stattgefunden haben, konnte die Mutter dem Vater sogar den Umgang mit dem Kind verbieten – während der Vater zahlen muss. Begründet wurde die derzeitige Gesetzeslage vor sieben Jahren vom Karlsruher Gerichtshof, der im möglichen andauernden Sorgerechtsstreit eine unzumutbare Belastung für das Kind sah.
Dass ein fortwährender Machtkampf der Eltern eine schwerwiegende Erfahrung für den gemeinsamen Sprössling ist, möchte ich gar nicht abstreiten. Allerdings ist dies eine familieninterne Angelegenheit. Ich persönlich würde Eltern, die ihr Kind als Spielball zur gegenseitigen Demütigung und emotionalen Erpressung nutzen, am Liebsten ganz das Sorgerecht absprechen – aber das ist wieder eine andere Frage. In jedem Fall sehe ich nicht, warum das bei verheirateten Paaren anders sein sollte. Auch hier gibt es bei Scheidungen jahrelangen Streit um das Sorgerecht. Vielleicht sogar noch häufiger als dies bei der Trennung lediger Paare der Fall ist, da hier oft zusätzlich die Unterhaltszahlungen des Partners sowie die Aufteilung des gemeinsamen Besitzes geklärt werden muss.
Wer (in meinen Augen zurecht) die finanzielle Verantwortung für ein Kind teilt, sollte auch das Recht teilen, über den Lebensweg des Kindes zu entscheiden und sein Heranwachsen mitzuerleben. So ist der Beschluss des Europäischen Gerichtshofs nicht nur ein wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen, er bestärkt auch die Anerkennung lediger Lebensgemeinschaften und weist die Bevorteilung des traditioneller Familienbildes in seine Schranken – was man von den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und FDP leider nicht behaupten kann.
Mehr Meinungen zum Beschluss des Europäischen Gerichsthofs findet Ihr hier und eine satirische Sicht zum neuen Sorgerecht gibt es hier.
Bild: Parenting von Leonid Mamchenkov, Lizenz: CC
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