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Über den Rand – Meine Nahtod-Erfahrung (Teil IV)

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Ja. Schon der vierte Teil. Ich weiß nicht ob Du irgendwas davon verstanden hast. Wie auch immer: ich führe das Begonnene zu Ende.

Ich wurde verwundert gefragt: ‚Warum lebst du dann noch?!‘

Eine gute Frage. Wenn das Leben – nein, das eigene Leben – keine Bedeutung, Wirklichkeit hat; wenn das eigene Sein in einem dämmrigen Nebel versunken ist; wenn…

Sollte ich mich da nicht selbst erlöst haben? Und wer das bisher geschriebene halbwegs verstanden hat, wird die Berechtigung der Frage klar erkennen. Ich muss gestehen: es gab den Versuch. Wieso Versuch? Weil –

Als die Erinnerung an das Geschehene zurückkam, war die Glückseligkeit des Erfahrenen ‚JA‘ allumfassender Schmerz: ich lebte noch; also bin ich -, wie soll ich sagen, abgewiesen worden! Verstehst Du ich wurde ZURÜCKGEWIESEN! Es war die Verweigerung der Erlösung- nichts weniger! Was hätte schrecklicher sein können? – und es hat nichts mit irgendeinem speziellen Glauben zu tun; es war Erfahren!; unauslöschlich in mein entsetztes Bewusstsein gebrannt.

Warum ich mich nicht umgebracht habe? Fragst Du das noch immer? Es ist unmöglich. Es ist eine unvorstellbare Entsetzlichkeit, zu riskieren wieder zurückgewiesen zu werden, oder gar dieses ‚JA‘ nicht wieder zu erlangen! Wie soll man Leben wenn man das ‚JA‘ war und wie soll man sterben, ohne dieses ‚JA‘, wenn man es war?!

Was bleibt? Weiter trotten, bis man zusammenbricht. Hoffen dass dann das Gewesene, Versprochene erfüllt wird. Oder weißt Du eine andere Möglichkeit? Ja, ich verstehe nicht, wieso ich nicht gänzlich den Verstand verloren habe; und ich bedauere es. Es wäre vielleicht die einige wirkliche Option.

Ich eile zu weit voraus. Noch weißt Du nicht alles. Es mag daran liegen, dass ich in dem damals erfahrenen zu versinken drohe – wie in fast regelmäßigen Abständen. Ich komme mich vor wie ein trotziges Kind, das weinend ‚Jetzt erst Recht!‘ in sich hinein brüllt – mit aller verzweifelten Hilflosigkeit und dem erbarmungslosen Selbstbehauptungswillen eines Kindes. Ich sehne mich danach der Verzweiflung erliegen zu können; es gelingt nicht. Irgendein Wahnsinn in mir selbst schreit ‚NEIN‘.

Das intensivste, klarste aller Erlebnisse ist das ‚JA‘. Es war ein Sein, das, zwar absolut unvorstellbar, so doch in diesem Leben, in diesem Bewusstsein, dieser Wirklichkeit verankert ist. Das andere, das jenseits aller Beschreibbarkeit liegt; das nichts mit Sehen, Spüren, Hören zu tun hat – Wie soll ich dafür Methapern finden? Wie kann man unvorstellbares vorstellen, beschreiben?? Und wie kann es in mir „sein“? Und ich leben?

 Auch ich habe später über Berichte von anderen Nahtoderfahrungen gelesen. Sie beschreiben Gesehenes, Erscheinungen die so sehr mit dem Bekannten versöhnt sind, dass Verstorbener  sieht; zuschaut wie andere, da unten, agieren … Man in ein strahlendes Licht aufsteigt- ; einen Tunnel betritt-

Ich will nichts davon in Abrede stellen. Verwundert haben mich diese Berichte trotzdem. Ihre Todeserfahrung hat etwas von „der Fortsetzung mit anderen Mitteln“. Haben sie einen anderen Tod erfahren als ich? Sprachen sie nicht alle davon, dass sie das Leben neu,  als einzigartig entdeckten?! Für mich eine absolut unzugängliche Vorstellung.  

Bei genauerem lesen begann ich zu ahnen, wieso. Wieso es bei ihnen so gänzlich anders war. Bei keinem dieser Berichte habe ich etwas gelesen, das, wenn auch lediglich ansatzweise, so etwas wie das ‚Allumfassende JA‘ andeutete! Sie traf es ohne jegliche ‚Begleitung‘, Vorbereitung. Sie sagten nicht ‚JA‘ so und nicht anders kann, darf, muss es sein. Dies ist der Rechte Ort, die Rechte Zeit! Sie traf es wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

An das was ich im Erinnern fand – was irgendwo zwischen dem ‚JA‘ und meinem Zurückgeworfensein  liegt – war nichts, was mit dem Erfahren unserer Sinne gemein hat. Eher ein Gefühl, eine unspezifische Bewusstheit von, über etwas; vielleicht wie die Erinnerung an unbeschwerte Tag der Kindheit, in der man nicht zu sagen vermag, worin das Wohlgefühl zu begründen ist. Das trübe Erinnern ist eine Summe, in der zwar einzelne Elemente erinnerlich sind; doch das Ganze ist mehr, viel mehr – auch wenn zu Benennen unmöglich scheint.

Das intensivste Gefühl, unbestimmte Sein, war – man könnte es ‚wohlige Wärme‘ nennen. Eine Wärme die identisch ist mit der eigenen, sodass sie unmerklich ist, sich alleine in einem intensiv angenehmen Gefühl manifestiert, eingeschlossen in der Gewissheit von unantastbarer Geborgenheit. Natürlich hatte es nichts mit ‚sensitiven‘ Empfindungen zu tun. Es war eine Bestimmtheit, eine Gewissheit, die das Bild vielleicht anzudeuten vermag.

Mir war, als wäre ich zerflossen und doch eine Entität. Aufgelöst und doch eine ‚Bewusstheit‘. Ich war nicht/kein Ich, als vielmehr ALLES und NICHTS; eingebettet in eine Gesamtheit die jede Vorstellung übersteigt: ohne Ende, ohne Anfang. War in etwas das alles umschloss und zugleich es selbst war; das einzige was nichts weiter, außer sich selbst ist. Ich spürte alles Sein das war, ist, sein wird und alles was unser Denken, Bewusstsein nicht fassen kann; mehr ich war es selbst, ohne es zu sein; der Regentropfen der in einem allgewaltigen Meer zerfließt und doch ‚sich selbst‘ ist, weil er eine der unzähl-, erfassbaren Möglichkeiten ist und sich mit einem Mal all dieser ‚gewahr‘ wird, weil er ein Teil ist; ein Teil das nicht außen ist, sondern an jeder ‚ Stelle‘ mitten drin. Ich –

Mir ist klar, dass es nicht mehr als diffuser Redebrei ist, sein kann. Wahrscheinlich hätte ich auf den Versuch einer Umschreibung verzichten sollen. Sei es drum. Ich musste es Versuchen – nicht um euer, sondern meines Willens.

Mehr habe ich nicht mehr zu sagen. Danke für Dein/Euer Interesse.

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Eine Antwort zu “Über den Rand – Meine Nahtod-Erfahrung (Teil IV)”

  1. Elke.S sagt:

    Ich kann mir das offen gestanden nicht vorstellen. Trotzdem deine Beschreibung scheint mir autenthisch. Und sie macht finde ich Hoffnung auf das, worauf wir wohl alle Hoffen: Erlösung von allen Ängsten, Zweifeln und Hoffnungen.

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