Ein Ehepaar, in grellen Sportanzügen, stand auf einer Brücke. Eines jener gestelzten Objekte der Abgrenzung, von denen schwer zu sagen ist, was vor wem geschützt werden soll. Darunter schob sich die Moräne der Stadt hindurch – allmählich, wie zäher Brei. Über allem lag der bläuliche Weihrauch der Hektik, entsteigend den nie versiegenden Schwaden des sich dahin wälzenden Bleches.
„Weißt du, manchmal-„, warf er stoisch verharrend in den schwellenden Lärm.
Irgendwie fern, irgendwo hinsehend, tropfte ein „Immer“ von ihren Lippen.
Er drehte den Kopf gemach, als gelte es ein verborgen, mystisches Gleichgewicht zu wahren; blödete sie für Sekunden von der Seite an. In übertriebener Vorsichtigkeit schüttelte er schließlich den Kopf. „Unsinn – Ich meinte: weißt Du, manchmal-„
Ein verborgener Mechanismus in ihr hatte sein Worte registriert; obwohl nicht darauf hindeutete als ein abwürgendes „Ach so“, das sich in bestürzender Tonlosigkeit selbst verneinte.
Schweigen ihrer Stimmen trat in den Vordergrund des Lärms; geduldig weilend, wie immer. Das kurze Gähnen in Worten: vorbei.
Beide gaben sich einer Mystik hin, die keiner zu benennen gewusst hätte; mit beeindruckender Intensität. Welcher? Keine Ahnung; es war nicht zu erraten. Konnte es der Lärm, das geordnete Chaos unter ihnen sein? Jedenfalls waren sie darin gefangen. Man durfte bereits die Befürchtung hegen, die Ausdünstungen des blechernen Lindwurms hätte sie gelähmt.
Das war wohl nicht so; denn zeitlose Momente später stieg er zögernd auf die Brüstung.
„Da kann man runter fallen“ langweilte sie nach unten.
„Also manchmal-„ und seine Stimme würgte Anzeichen sich zu beleben hervor. Anstatt zu Beenden, ruderte er simulierend mit den Armen – ungeschickt.
„Lass deinen Spruch schon ab“ sich zu einem Seitenblick mühend.
„- sollte Schluss sein.“, einen Schritt auf der Brüstung versuchend.
Ihr Kopf wand sich ihm zu, um irgendwo hin zu sehen: „So – womit“.
Ein Düsenjet huschte aus dem Horizont über sie hinweg, um im Grau zu verschwinden. Er begann schwankend zu gestikulieren. Ein unterdrücktes „OH!“ und warf sich letztaugenblicklich zurück.
„Siehste.“ Und wand sich mit einem Anflug von Tonfall wieder der Moräne unter ihnen zu.
Verharren feierte wieder Triumphe. In einer Eintracht, um die sie manches Paar beneiden würde, stupiedeten sie in den Dunst.
„Was hättest du gesagt?“ – als spräche er zu sich selbst.
„Wann.“
„Eben.“
„Zu was“.
„Meinem Sturz“.
Über ihr Gesicht huschte etwas, das einer nervösen Zuckung glich: „Das gibt ein Stau.“.
Er sieht sie richtig an!: „Wirklich?“.
„Ich denke schon. – Die werden kaum einfach weiter fahren.“
Ein Schrei erwachte. Reifen quitschten. Hupen inszenierten ein Konzert.
„Du hattest Recht!“, murmelte er zum Stau hinab und joggte lebhaft davon –
Und die Moral von der Gesichte?
Verstehen heißt nicht verstanden zu haben?
Oder: Begründete Vermutungen müssen nicht unbedingt verifiziert werden?
Oder: Zusammen ist nicht gemeinsam?
Oder: Wenn wir nach dem Ebenbild…; nein das wäre zu phlasphemisch?
Oder: Alles Unsinn. Was auch sonst?!
Werner
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