Auch wenn ich kein großer Freund von Hollywood-Happyendings bin: Die TV-Wiederholung der Spiderman-Trilogie hat mich zum Nachdenken gebracht. So ist die Hauptaussage der Comicverfilmung ein Plädoyer für die Wahlfreiheit. Auch ich bin Verfechter des freien Willens, allerdings lässt sich im wahren Leben nicht alles in Gut und Böse, Schwarz und Weiß einteilen.
Betrachtet man die Wirtschafts-, Politik- und Sportskandale könnte man meinen es herrsche eine zunehmende Verantwortungslosigkeit in der Welt. Wie sagt Spidermans Onkel da noch so schön? „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung“ – die unseren Führungsspitzen offenbar fremd ist.
Aber bevor wir die „Großen“ anprangern, richten wir doch einmal einen Blick auf uns selbst: Ich zum Beispiel halte mich für durchaus verantwortungsbewusst – zumindest was die Belange anderer angeht. Mit mir selbst gehe ich da schon nachlässiger um: Meine Ernährungsgewohnheiten sind nicht die besten, zudem bin ich Raucherin. Nun könnte man annehmen, das sei allein meine Sache, solange ich niemand anderen vollqualme – aber weit gefehlt, denn ich bin gesetzlich krankenversichert und ein Risikopatient. Zugespitzt gesagt, spiele ich mit dem Geld anderer Menschen.
Zudem bin ich mir der großen Verantwortung bewusst, die Kinder mit sich bringen. Da ich mir sicher bin, dieser nicht gewachsen zu sein, möchte ich auch keine in die Welt setzen – und belaste damit unser Rentensystem.
Diese Liste ließe sich sicherlich ewig fortsetzen – vor allem mit persönlichen Entscheidungen, deren Konsequenzen gar nicht voll absehbar sind.
Früher war das nicht so. Berufliche Wege wurden oft von den Eltern oder dem Staat vorgegeben und gerade Frauen hatten kaum Wahlfreiheit, weder beruflich noch familiär – mit der Konsequenz, dass man auch kaum Verantwortung für sein Leben tragen musste. Kein Wunder also, dass es immer mehr Befürworter reaktionären Gedankenguts gibt.
Nun, die Welt ist nicht schwarzweiß, ich kann nicht alle meine Entscheidungen bis in die letzte Konsequenz vorausplanen. Was ich aber tun kann, ist es zu versuchen. Nicht aufzugeben angesichts der Masse an Möglichkeiten, klare Verstöße gegen die Rechte und Freiheit anderer wie Diebstahl, Mobbing, Unterdrückung, usw. selbst nicht auszuüben und auch nicht zu dulden. Freiheit bedeutet auch die Bereitschaft Risiken einzugehen, nach vorne zu gehen und Entscheidungen zu treffen, die man eben nicht vorhersehen kann: Den Schritt in die Grauzone zu wagen mit dem Wunsch es richtig machen zu WOLLEN. Und in der Masse können wir zwar untergehen, vereint aber ebenso viel Kraft haben, wie die „Großen“. Der Unterschied ist, die Grauzone nicht bewusst auszunutzen, sondern nach den Abstufungen zu suchen.
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