Demonstrationen, besetzte Hörsäle und Blockaden: Der bundesweite Bildungsstreik ist in vollem Gange. Das Ganze ist eine Initiative von Studenten für die Verbesserung von Bachelor- und Masterstudiengängen, gegen Studiengebühren und mehr Mitbestimmungsrechte seitens der Studierenden-kurzum ein Aufruf zur Restrukturierung des Bildungssystems. Zur Verbesserung des Bachelors kann ich nicht viel sagen, da ich in der glücklichen Lage bin eines Tages einen „guten, deutschen Diplom-Ingenieur“ vor meinem Namen stehen zu haben. Überfüllte Hörsäle kenne ich aber nur zu gut! Gerade im Vordiplom war das an meiner Universität Alltag. Viele Vorlesungen hatte ich mit angehenden Maschinenbauern zusammen und glaubt mir, das waren viele! Ich erinnere mich noch gut an eine bestimmte Vorlesung: Maschinenkonstruktionslehre, DAS typische Maschinenbauerfach. Und da es eben so regen Anklang bei den „Maschbauern“ fand, konnte man auch nicht darauf bauen, dass der normale Anfangsansturm irgendwann nachlässt. So kam es, dass Studenten schon in der davor stattfindenden Vorlesung saßen, nur um anschließend einen Platz zu bekommen. Was kann man da machen? Mehr Dozenten? Zu teuer. Mehrere Termine? Zu viel organisatorischer Aufwand! Aber hey, wir sind eine Elite-Uni, hier sitzen ein Haufen schlaue Köpfe und deswegen gab es für dieses Problem doch noch eine Lösung: Die Vorlesung fand in zwei, sich übereinander befindenden Hörsälen statt. Unten, in der First Class, stand der Professor und schwang seine Reden. Oben, da wo der Pöbel saß, stand kein Professor sondern es wurde lediglich der Ton von unten über Lautsprecher wiedergegeben! Naja, ich sag mal so: da ich es nicht einsah, mich schon Stunden vorher mit Kommilitonen um einen Platz zu prügeln und eine Vorlesung ohne Bild, nur mit Ton, mal gar nicht klargeht, besuchte ich jene Vorlesung so gut wie gar nicht. Habs trotzdem bestanden. Vorlesungen werden sowieso überschätzt; Übungen und Tutorien sind das was zählen, zumindest in meinem Studiengang!
Aber neben überfüllten Hörsälen war mein Studium bisher immer wieder für eine Überraschung gut: So musste vor gar nicht allzu langer Zeit ein Hörsaal wegen baulicher Mängel vorrübergehend geschlossen werden. Peinlich für eine Technische Hochschule… Darüber hinaus stößt man aber auch immer wieder auf menschliche Totalausfälle, die einem das Leben schwer machen. So geschehen, als die Putzfrau eines Professores mal eben zwei Kisten mit zum Teil noch unkorrigierten Klausuren in den Müll warf! Die Arbeiten waren weg, der Professor sprachlos und wir saßen in der Scheiße! Denjenigen unter uns, deren Klausur noch nicht korrigiert war, blieb nichts anderes übrig als die ganze Sache zu wiederholen! Wie gesagt, Elite….
Diese ganze Exzellenzinitiative erschließt sich mir sowieso nicht so ganz. Meine Universität wurde im ersten Durchgang zu einer sogenannten „Eliteuniversität“ gekrönt und hat seitdem eine Menge Kohle bekommen. Allerdings frage ich mich, warum wir Studenten davon nichts merken? Alle Verbesserungen, die es seither gab, wie zum Beispiel zusätzliche Tutorien, werden über die Studiengebühren finanziert. Also was macht ihr mit dem ganzen Geld? Setzt es für die ein, die die Universität mal in der Welt vertreten werden- die Studenten! Schafft die Studiengebühren ab!
Naja, wenigstens kann ich jetzt offiziell behaupten ich sei elitär…
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