Wer Hilfe zur Selbsthilfe suchte, dessen Weg führte in den 90ern vor allem in die Praxen von Psychoanalytikern und –therapeuten. Doch nicht jeder ist bereit, seine Beziehung zum hänselnden Bruder, der eine Vorliebe für nächtliche Überfälle hatte, oder die ersten sexuellen Erfahrungen mit den Seidenstrümpfen der Mutter zu analysieren – und oft ist es auch gar nicht notwendig: Coaching heißt das neue Zauberwort und steht dank TV-Serien wie „Rach, der Restauranttester“, „Die Supernanny“ oder „Raus, aus den Schulden“ nun auch bei Hartz IV-Empfängern auf dem täglichen Programm.
Der Vorteil gegenüber der klassischen „Seelenheilung“ ist die Hinwendung zum Positiven, Fördernden. Während der Blick der meisten Therapien auf die Ursachen von Fehlverhalten und damit den negativen Aspekten eines Menschen gerichtet ist, hat das Coaching vor allem eines zum Ziel: Erfolg. Leider bleibt gerade der oft aus, denn im Grunde kann jeder seine Dienste als Coach anbieten, der möchte – einen anerkannten Ausbildungsweg gibt es nicht. Und so kommt es, dass Hinz und Kuntz, die an weniger Selbstzweifeln als ihr Klientel leiden, ihre Pseudoberatung offerieren und damit oft mehr Schaden anrichten, als dass sie ihre Kunden fördern – im besten Fall bleiben ihre Bemühungen wirkungslos.
Schade eigentlich, denn als ehemalige Schauspielschülerin durfte ich einmal die Erfahrung machen, wie positiv sich eine gezielte Förderung durch einen Coach auswirken kann. Ein guter Trainer wirkt nicht nur als Spiegel, der einem ein neutrales Selbstbild zurückwirft, er fördert zudem die Überschreitung der persönlichen Grenzen und stärkt somit das Selbstbewusstsein und die Lebenserfahrung (im Sinne von „Sich lebendig fühlen“).
Ich bin meinem damaligen Lehrer für die vielen Ein- und Aussichten aus dieser Zeit sehr dankbar und möchte sie nicht missen, auch wenn sie mit großem innerlichem Aufruhr verbunden war. Deswegen kann ich jedem raten, sich einmal in die Hände eines Coaches zu begeben. Allerdings sollte man sich am Besten einen Lehrmeister suchen, der sich nicht trendbewusst „Coach“ nennt (Es sei denn, man verfügt über das nötige Kleingeld sich einen zertifizierten Manager-Coach zu nehmen). Ein engagierter Musik-, Sport- oder Kunstmentor bewirkt oft unbewusst viel mehr als irgendwelche selbst ernannten Gurus, die meinen, sie ständen über den Dingen und Menschen. Am Ende muss man auch bei der Suche nach Hilfe sich selbst vertrauen: Stimmt das Bauchgefühl, dann klappt’s auch mit dem Coaching.
Einen ganzen Blog um das Thema Coaching findet ihr hier und hier
Bild: The Hand von Alex E. Proimos
Das Bild stammt aus der: http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/
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