Ich habe angefangen (Teil I & Teil II) also schreibe ich auch zu Ende:
… Dieses Letztgültige „JA“ – ohne Anfang, ohne Ende, jenseits von Angst oder Hoffnung, Leid und Sehnsucht – diese Manifestation der „Erlösung“ – Man kann es nicht Erlangen, nein Sein und weiterleben! Trotzdem ich war verflucht: musste Leben. So verkroch sich mein Bewusst sein in die hintersten Winkeln und ließ mich als unbeteiligtes Gespenst zurück.
Ja, ich verstand die Menschen – weil sie mich nicht angingen; ich handelte, tat – was war Zufall und mechanistisch. Aber- Ja, es war damals die einzige Möglichkeit. Denn Erinnern, Bewusstwerdung des Geschehenen und zugleich Verlorenen- Es wäre der Verlust meines Verstandes gewesen.
Jahrelang dämmerte ich dahin. Ohne Bewusstsein von Zeit: Gestern, Heute, Morgen. Zukunft verlor sich in einem unvorstellbaren Nebel; damit hatte ich nichts mehr zu schaffen. Ja bis ich Sie traf.
Wenn ich mich richtig erinnere kam ich von der Uni zurück. War gerade dabei, die Wohnungstür im 1-ten Sock zu öffnen- Ich sah Sie: Kurzes, bubiekopfartig geschnittenes, brünettes Haar, rehbraune Augen, ein leichtes Lächeln um die schmalen Lippen, schlank, mit verlockend breiten Hüften, in einem grünen Janker, Jeas und eleganten Schuhen, leichtfüßig, heiter die Treppe heraufkommen- Ich war dieses Ansehen (es hat nur Buchteile einer Sekunde gedauert) Sie sagte fröhlich ‚Guten Tag‘ und nestelte die Schlüssel zur Eingangstür neben meinem Appartement aus der Jackentasche. Ich bekam noch eine Erwiderung hervor und flüchtete durch die Eingangstür, um mit rasendem Herz ihr durch den Türspion zuzusehen, wie Sie öffnete und darin verschwand.
Wie kann ich es beschreiben? Ja, ich glaube in diesem Augenblick habe ich zum ersten Mal seit Jahren jemanden mit vollem Bewusstsein wahrgenommen, im besten Sinn gesehen! Und es gab keinen Zweifel: SIE. Die absolute Freiheit dessen, den nichts interessiert- Sie war dahin. Mein Wollen, Sehnen, nein Notwendige hatte ein Gesicht bekommen: Ihres.
Schnell hatte ich herausgefunden, dass Sie nebenan eine Heilpraktiker Praxis eröffnet hatte – was ich bis dahin, wie die meisten Dinge, nicht registriert hatte, dass Sie … Verzeiht; doch ihre Privatsphäre will ich respektieren, auch oder gerade weil wir uns schon lange getrennt haben.
Ich war nur mit Ihr beschäftigt. Was sollte ich tun, wie sollte ich vorgehen … Bald durfte ich Sie zum ersten Mal streicheln, küssen, Ihren Duft und Körper genießen. Zugleich sieg eine beraubende Angst in mir auf, Sie wieder verlieren zu können. Eine Vorstellung die körperliche Schmerzen auslöste.
Als wir zum ersten Mal zusammen verreisten und abends in diesem altmodischen Bett lagen – mit dicker Daunenbettwäsche, dem hohen Kopf- und Fußteil; wir zum ersten Mal in aller Ruhe und Gemeinsamkeit zusammen schliefen- Mein Orgasmus war verschlingend und als ich in Ihr Gesicht sah: dies absolute, entspannte, glückliche Zufriedenheit, die Sie fast wie ein junges Mädchen aussehen ließ – Dagegen war Leonardo da Vicis ‚Madonna‘ Stümperei!
Ich verbarg mein Gesicht in Ihrer Achsel und musste Weinen; krampfartig, ohne Kontrolle, völlig Hilflose gegenüber der gewaltigen Flut an Gefühlen, Erinnerungen, Bruchstücken die durch meinen Kopf polterten. Da war kein klarer Gedanke mehr. Es war ein verzehrendes Chaos das ich nicht bannen konnte; der erste Keim des Bewusstseins, was geschehen war, damals …
Ich sagte Ihr es sei das Unmaß an Glücklich sein, warum ich weinte – was weitgehend stimmte! Und wirklich, Sie verstand es! – was mich heute wundert, damals jedoch in keiner Weise, denn ich hatte Ihr Gesicht und Ihre Seele(?) gesehen.
Für mich war diese ‚gewaltsame‘ Bewusstwerdung im Höchstmaß an Glücklich die in dieser Welt denkbar ist zugleich das Öffnen eines Schleusentors all der Erinnerungen und Bewusstheit, die ich so lange – zu meinem eigenen Schutz vor Wahnsinn – erfolgreich verdrängt hatte. Und noch Heut ist es mir ein Rätsel, dass ich vernünftige Zeilen zu Papier bringe; ich arbeiten kann – wenn auch durchbrochen von Phasen auswegloser Verzweiflung.
Mein ‚Glück‘ war sicherlich die absolute Intensität der Liebe zu Ihr – obwohl dieses Wort unserer Beziehung kaum gerecht wird. Es war (ziemlich Lange) eine nicht nur psychische Abhängigkeit, sondern unmittelbar physisch. Sie längere Zeit nicht zu sehen, zu berühren war physischer Schmerz! Nichts von Ihr zu hören, nicht zu wissen wo sie war- Das steigerte sich zu Panik.
Diese absurde Abhängigkeit von Ihr drang sogar tief durch den Nebel meines Erinnern und gewährte ein allmählicheres, behutsames herantasten an die Wirklichkeit des Erfahrenen; denn dieser Schmerz nicht bei Ihr zu sein, die Panik nicht zu wissen was Sie tat – Das war etwas sehr konkretes, nur all zu Reales, Gegenwärtiges, in das ich mich immer wieder flüchtete.
Ich erinnerte mich wieder an diese letzten Sekunden: Ich hatte kurz vorher ganz klar Erkannt, dass ich anhalten musste, irgendwo am Fahrbahnrand halten und schlafen. Die Konsequenz es nicht zu tun, hatte ich völlig erfasst: Anhalten oder Unfall! Ich fuhr weiter. Mir war einfach kein Grund eingefallen, warum ich stoppen sollte. Da vorne, irgendwo auf der leeren Straße im Dunkel , war mein Ankommen. Dessen war ich mir völlig sicher – auch wenn ich weder eine Vorstellung, noch Gefühl davon hatte, was dies sein sollte.
Ich hatte wohl auch halluzinatorische Erlebnisse, die ich nur diffus erinnerte: sich bewegende Bäume, Straßen und ein weiser Elefant, der gemächlich über die Fahrbahn lief; aber es hat mich überhaupt nicht verwunderte. Ganz plötzlich wusste ich es, mit einer Klarheit und Absolutheit, die das normale Erfahren weit übersteigt ‚JA‘! Ich weiß nicht, wie ich es euch begreiflich machen kann (und überhaupt sollte). Es war nicht das Credo des Todes oder der gänzlichen Schöpfung; nicht das Ausufern einer Hoffnung oder Sehnsucht. Es war ‚JA‘, als ein Alles, das schon immer da war und immer da sein wird. Es war die Inkarnation all der Umschreibungen in den Glaubenslehren, die ein Paradies, ein Nirvana kennen. Meine ‚Erlösung‘ – ohne Forderung, ohne Furcht, ohne sehnsucht, ohne Hoffnung … Nur allumfassendes ‚JA‘.
Verzeiht mir. Ich muss an dieser Stelle unterbrechen. Denn dieses Erinnern- Es ist nicht alles. Wie ich es euch beschreiben soll? Ich habe noch keine Ahnung.
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