Hallo Leute. Ich kann es mir nicht verkneifen; heute müsst Ihr einen kleinen literarischen Versuch über Euch ergehen lassen. Wie hat ‚Oscar Wild‘ gesagt: ‚Ich kann allem widerstehen, außer der Versuchung.“. Mit gutem Willen könnte man es als Essay bezeichnen. Man kann es aber auch lassen. Letzteres bevorzuge ich und – nach dem lesen – Ihr sicher auch.
Ich wollte im trüben Grund meiner Seele nie etwas anderes sein, als ein melancholischer Narr . Irgendwo auf einem Berg heruntersehend auf eine weitläufige gewundene Landschaft, auf einem Fenstersims sitzend Seifenblasen in den Wind pusten; sanfte Melodien erfinden um sie auf ihrem Weg Geleit zu geben; lächeln über den Aberwitz der Wolkengebilde, die selbst davon keine Ahnung haben und schallend Lachen über die Tänze und schillernden Farben der finalen Sinnlosigkeit ihrer Schönheit kurz bevor die zerplatzen –
Ja, so einer bin ich. Einer, der im Grund seines Wesens ein Taugennichts ist. Der lachen kann über die Notwendigkeit. Der einfach das Geforderte ignoriert, wie eine Eiche das Anpissen von Hunden.
Dennoch. Gestern sah ich den Spiegel- Ja, das war ohne Zweifel ich, der sich rasierte, zurecht machte, mit vollem Kopf über die Aufgaben, Probleme des anbrechenden Tages kämpfte und sich mit Gel den „Jungdynamiker“ ins Haar zu schmieren versuchte. Lächeln war dieses Gesicht nicht. Auch nicht ängstlich. Einfach konzentriert auf das noch nicht Gegenwärtige; eine fiktive Realität; lediglich der Gesichtsausdruck im Spiegel versicherte mir, sie ist schon da!
Nach einer Minute, vielleicht auch lediglich Sekunden, wollte ich lachen- heiter und gelöst. Besann mich jedoch eines anderen. Ja, ich hatte eine unbedingte Lust, mich in meine eigene Unruhe zu verlieben. Eine Lust, die warm, kribbelnd aus meinem Bauch aufstieg und meinen Geist sanft mit Wirrnis umgarnte: ein sanftes Streicheln an den Hoden meiner Arroganz. Endlich gehörte ich wieder dazu; zu der endlosen Schar von Menschen, deren Hetzen, Schaffen, Erfolg auf dem Fundament des „wenn die wüsten!“ fußt. Diese sinnlos tragischen Figuren, die dem, was sie tun nur eines abzugewinnen vermögen: trotzdem! Trotzdem sie niemand versteht – Trotzdem sie ganz etwas anderes werden wollten – trotzdem sie ihre eigentliche Liebe nie gefunden haben – Trotzdem sie von allen enttäuscht wurden – Trotzdem …
Ja, ich wollte mich in dieser tiefen melancholischen Wollust der „Trotzdem“ suhlen wie eine Sau im Dreck; mich an der eigenen Verletzlichkeit aufgeilen und in den Seidenbetten der Einzigartikkeitsarroganz onanieren bis mir der geistige Schwanz schmerzt – sprich einen Herzinfarkt, Nervenzusammenbruch oder Alkoholismus meinen Tribut zollen darf, der es hinausschreit: „Der Ärmste!“.
Leider- Gänzlich konnte ich dem Schelm meiner Ziele nicht entkommen; und der hatte nur ein gelangweiltes „so, so“ dafür übrig. Nichts hätte ernüchternder sein können: es war aus mit derm geistigen masturbieren, aus mit dem gequälten Hetzen der „Trotzdem“ –
Was war zu tun? Was war die Alternative? Was konnte, sollte ich wollen? Wollte ich überhaupt etwas? Und Ihr?!
Noch ein Link um Oska Wilde kennen zu lernen.
Dr. Klipundklar.

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