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Raffaello mit Schokolade

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Heute möchte ich Euch eine Schriftstellerin ans Herz legen, die meiner Meinung nach zu Unrecht fast in Vergessenheit geraten ist: Madeleine Bourdouxhe. Ihre Bücher und Erzählungen zergehen so leicht auf der Zunge wie ein Raffaello – Nur mit Schokolade. Denn während ihr hauchzarter Schreibstil ohne jegliche Schnörkel auskommt, treffen ihre Beobachtungen immer messerscharf ins Zentrum menschlicher Beziehungen. Für mich ganz große Kunst.

Leider war ihre schriftstellerische Karriere sehr kurz. 1906 in Lüttich geboren, zog sie 1914 mit ihrer Familie nach Paris und studierte in Brüssel Philosophie und Sprachen. Mit 21 heiratete sie denn Mathematiklehrer Jacques Muller mit dem sie sich nach dem Krieg im Widerstand engagierte. 1940, am Tag, an dem die Deutschen in Belgien einmarschierten,  gebar sie ihr erstes und einziges Kind Marie. Diese Zeit war auch ihre Schaffensperiode. Zwischen 1936 und 1944 veröffentlichte sie die fünf Romane “Vacances. Die letzten großen Ferien”, “Gilles’ Frau”, “Auf der Suche nach Marie”, “Wenn der Morgen dämmert” und “Unterm Pont Mirabeau fließt die Seine”. Zwar versuchte sie sich auch danach noch an Kurzgeschichten, doch keine ihre Veröffentlichungen konnte großes Aufsehen mehr erregen.

Vielleicht gehörte Madeleine Bourdouxhe zu den Autoren, die Unruhe und ein gewisses Maß an innerem wie äußerem Chaos brauchen, um sich selbst und ihrer Kreativität am Nächsten zu sein. So ist eines ihrer zentralen Themen die Sehnsucht und ihre größte Stärke die Darstellung zerrissener, kaum greifbarer Gefühlsregungen. Simone de Beauvoir, die zu ihrer größten Förderin avancierte, lobte vor allem ihre Fähigkeit, die weibliche Sexualität zu schildern. Für die Heldinnen ihres Erstlingswerks “Vacances. Die letzten großen Ferien” ist diese der erste Schritt zur Selbsterkenntnis, für die Protagonistin ihres bekanntesten Romans “Gilles’ Frau”, ein Weg Rache zu nehmen.

Mein Lieblingsbuch ist “Vacances“. Nie habe ich eine so gute Schilderung der Suche Jugendlicher nach sich selbst und ihrem Platz im Leben gelesen. Selten so subtil die grausame Erkenntnis der persönlichen Einsamkeit innerhalb der Gemeinschaft gespürt. Und trotz dieser doch recht schwierigen Thematiken sind ihre Werke der reinste Genuss – Man muss sie einfach verschlingen!

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