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PorNO – PorYES

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Heute wird in Berlin zum ersten Mal der „feministische Pornofilmpreis“ verliehen. Klasse, denke ich und lese mir das Interview mit Laura Méritt, einer der PorYes-Aktivistinnnen durch – und bin erstaunt: Als Kriterien für einen PorYes-Preis gelten:

  1. Die Darstellung weiblicher Lust
  2. Vielfältigkeit der Sexualpraktiken, Geschlechter, Altersgruppen, Körpertypen und Kulturen
  3. Frauen sollten nicht nur als Akteure, sondern auch als Produzentinnen, Regisseurin, usw. beteiligt sein
  4. Respektvolle Behandlung und angemessene Bezahlung

Zu Punkt drei und vier kann ich nicht viel sagen, aber die ersten beiden Voraussetzungen habe ich bisher noch in keinem „klassischen“ Porno verletzt gesehen. Eher im Gegenteil: Gerade die Pornoindustrie, hat doch die Rassentrennung aufgeweicht. So waren Zeitschriften wie Penthouse und Playboy die ersten amerikanischen Magazine, die in den 60ern Fotostrecken mit schwarzen Models veröffentlichten und Filme wie „Black Dick – White Pussy“ nehmen eine ganze Pornokategorie für sich ein. In den meisten Sex-Filmen, die ich bisher gesehen habe, wird wild durcheinander gebumst: Egal ob Latino, Schwarze, Weißer oder Asiatin. Vielfalt ist doch praktisch Vorrausetzung, schließlich sollen alle Geschmäcker befriedigt werden.

Was die Körpertypen angeht: Nun, selbstverständlich werden Pornos von Silikonballons beherrscht, allerdings gibt es auch die natürlichen, ja sogar Minivarianten. Ich persönlich möchte in einem Porno keine Bierbäuche, Cellulite, Hängebrüste, Falten und kleine Schwänze sehen. Sorry, aber da vergeht mir die Lust. Außerdem gibt es auch dafür Regale in jeder größeren Videothek.

Und die weibliche Lust? Da bin ich ganz der Meinung von PorYes – ohne sie macht ein Porno keinen Spaß – nur das ich bisher auch die immer gesehen habe. Vor allem in amerikanischen Hochglanz-Produktionen wie „Pirates“ oder den Penthouse-DVDs kommen die Darstellerinnen durchweg als starke, selbst bestimmte und genießende Frauen rüber.

Das mag vor allem an der Qualität der genannten Filme liegen und sicherlich gibt es auch viele andere Produktionen, allerdings kann man das meist schon am Cover erkennen. Ich lasse eindeutigen Schund lieber im Regal und bin damit bisher selten auf die Nase gefallen.

Wenn ich dann höre, dass in den PorYes-Filmen z.B. minutenlange Streicheleinheiten und schlaffe Schwänze gezeigt werden, dann bekomme ich nicht wirklich Lust mir einen dieser Streifen anzusehen. Wenn ich einen Porno sehen will, dann will ich Sex sehen, ganz klar. D.h. aber nicht, dass ich von meinem Freund einen riesigen Dauerständer erwarte oder nie Lust auf kuscheln habe. Genauso wenig wie er wohl erwartet, dass ich mir Lippen und Brüste aufblase und immer willig bin.

Ich lasse mich ja gerne eines Besseren belehren, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass auch diese Aktion keine große Nachhaltigkeit auf die Pornobranche hat. Frauen, die kein Interesse an Sexfilmen haben, werden sich bestimmt auch keine angucken, nur weil vorher Zärtlichkeiten ausgetauscht werden und Frauen, die Sex sehen wollen, wollen eben Sex sehen und kein Gekuschel. Oder was denkt ihr?

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