Selbst Autor werden: >> zur Registrierung  
>> zur Kurzanleitung
Schon Autor: >> zum Login

Das Recht zu leben (wie man es für richtig hält)

Beitrag empfehlen.

Eine Warnung vorweg: In der folgenden Anklageschrift, werde ich ausfallend, weitschweifig und eventuell ungenau. Wer sich persönlich angegriffen fühlen sollte, darf diese Schrift gerne kommentieren, seine Meinung äußern oder faktisch widerlegen. Aber eins wird bleiben: Meine ungeheure Wut.

Es geht um Abtreibung und seine Gegner. Obwohl ich modernen Feministinnen eher skeptisch gegenüber stehe – vor allem, wenn Sie nur laut über „Männer“ schimpfen – bin ich für ihre Errungenschaften sehr dankbar. Und so freut es mich zu hören, dass Peru Schwangerschaftsabbrüche bei Vergewaltigungen und medizinischer Indikation wieder legalisieren will. Meiner Meinung nach ist das zwar nur ein Schritt in die richtige Richtung, aber immerhin. In Österreich wird nach einem Vorschlag von der SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas zurzeit sogar über weitere Liberalisierungen des Gesetzes zum Schwangerschaftsabbruch diskutiert. Aus den USA dagegen kam diese Woche eine Meldung, die mich extrem wütend macht: In Oklahoma müssen Ärzte, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen, zukünftig einen Online-Fragebogen ausfüllen, der anschließend im Internet publik gemacht wird. Nicht genug, dass aus den veröffentlichten Daten vor allem in kleineren Gemeinden durchaus Schlüsse auf die  Patientinnen gezogen werden können, auch die Ärzte müssen ihre Namen nennen. Der öffentlichen Defamierung und Hetzjagd (was nicht erst seit dem Internet und Online-Prangern wie rottenneighbour.com zu einer Art Volkssport geworden ist) stehen damit Tür und Tor offen, denn religiöse Fanatiker gibt es en masse.

Es macht mich einfach krank zu sehen, dass diese Menschen, die sich meist auf das fünfte Gebot in der Bibel berufen, meinen sie hätten das Recht, andere Menschen von denen sie nichts weiter wissen, zu belästigen und seelisch oder gar körperlich anzugreifen. Meiner Meinung nach sind religiöse Fanatiker einfach zu schwach, sich dem Leben mit all seinen Zweifeln und Unwägbarkeiten zu stellen und klammern sich stattdessen lieber verzweifelt an Dogmen, um nur ja keine Fragen stellen zu müssen, die sie schlichtweg überfordern würden:

Wann beginnt das Leben? Wann kann man von Seele sprechen und was ist das überhaupt? Ist das ungeborene Leben mehr wert als das Leben der Frau?

Nun, ich habe diesbezüglich auch keine Antworten, sondern nur meinen persönlichen Glauben. Doch im Gegensatz zu „Pro-Life“ (eine Begrifflichkeit, die meines Erachtens völlig widersinnig ist) und den „bibeltreuen Christen“ ist es eben MEIN Glauben, der durch meine individuellen Erfahrungen entstanden ist, sich durchaus noch verändern kann, dem ich keinerlei Allgemeingültigkeit zugestehe und auch niemandem aufzwingen will. Wen es also nicht interessiert, der kann den nächsten Absatz überspringen.

Auch ich bin der Meinung, dass Eltern (meine Betonung liegt hier auf Eltern, nicht bloß Mütter!) ihre Bedürfnisse hinter die ihres Kindes anstellen müssen. ABER: Sie müssen das Recht haben, sich bewusst dafür entscheiden zu können. Ich glaube nicht, dass irgendwem damit geholfen ist, wenn ungewollte, ungeliebte oder gar misshandelte Kinder in unserer Gesellschaft aufwachsen, die leider viel zu wenig Verantwortung für seine Jugend übernimmt. Wenn sie denn überhaupt aufwachsen und nicht im Blumentopf landen. Das mag übertrieben klingen und sicherlich würden einige Frauen vielleicht ihre Mütterinstinkte entdecken und sehr gut für ihre Kinder sorgen, aber wir sind keine Tiere. Leider ist es so, dass sich unsere Gesellschaft von der Natur weit entfernt hat. Kulturelle Einflüsse spielen eine weit größere Rolle für unsere Psyche als das ursprünglich einmal gewesen sein mag und so ist das Streben nach individueller Erfüllung für die Meisten zum Lebenssinn geworden. Dies kann natürlich die Elternrolle sein, muss es aber nicht und sollte auch niemandem aufgezwungen werden. Abgesehen davon sind selbst die „von Gott geschaffenen“ und instinktgesteuerten Tiere dafür bekannt, ihren Nachwuchs zu töten, wenn sie ihren Lebensraum als bedrohlich wahrnehmen. Und niemand wird misshandelten, alkoholkranken, in Armut lebenden oder psychisch angeschlagenen Frauen abstreitig machen wollen, dass sie ihren Lebensraum als bedrohlich ansehen. Abgesehen davon würde ich bei einem Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Woche nicht von Töten reden, aber das ist wieder eine andere Glaubensfrage.

Lebten wir in einer idealen Gesellschaft (wie auch immer die genau aussehen würde) wären Väter, Mütter und Kinder unter allen Umständen geschützt. Psychisch wie körperlich und solche Maßnahmen kein Thema. Aber dem ist nicht so. Keiner kann in die hoch gepriesene Seele der Frauen sehen, die einen solchen Schritt für notwendig erachten. Sicher ist allerdings, dass der Großteil schon genug unter sich selbst leidet und keine heuchlerischen Moralapostel braucht, die meinen die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, weil sie einen Satz in der Bibel lesen können oder an einen Vorbeter glauben, der behauptet, einen direkten Draht zu Gott zu besitzen. Wir sind alle nur Menschen und damit ganz und gar nicht perfekt.

Also liebe Fanatiker, äußert eure Meinung, zieht in die Wüste von Utah oder kauft euch eine Insel und lebt, wie ihr eben meint leben zu müssen, aber bitte verschont die Menschen, die versuchen sich in unserer heterogenen Zeit zurechtzufinden und sich seinen Herausforderungen zu stellen, mit eurem Anspruch auf Unangreifbarkeit! Denn wenn eines sicher ist, dann, dass nichts sicher ist.

Mehr zum neuen Gesetz in Oklahoma auf: maedchenmannschaft.net

Share and Enjoy: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Alltagz
  • Bloglines
  • Google Bookmarks
  • Ask
  • Facebook
  • YahooMyWeb
  • LinkedIn
  • Live-MSN
  • TwitThis
  • del.icio.us
  • Technorati
Tags:, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Verwandte Artikel

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Eine Antwort zu “Das Recht zu leben (wie man es für richtig hält)”

  1. Laura Rudas sagt:

    [...] Das Recht zu leben (wie man es für richtig hält) LEUAS.NET – PeopleRank: 0 – 10.10.2009 …Laura Rudas zurzeit sogar über weitere Liberalisierungen des Gesetzes zum Schwangerschaftsabbruch diskutiert. Aus den USA dagegen kam diese Woche eine Meldung, die mich extrem wütend macht: In Oklahoma müssen Ärzte, die einen Schwangerschaftsabbruch… + voten [...]

Hinterlasse eine Antwort


Anfang Googel Servises
Benutzerdefinierte Suche


Ende Google Servises